60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Christopher Pocarelli

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Benutzt jemand ein Musikinstrument, so sagen wir für gewöhnlich er spiele es. Das bedeutet dann aber nicht unbedingt, dass diese Person mit ihrer Flöte oder Gitarre herumspielt. Christopher Porcarelli will das ändern, indem er experimentelle akustische Objekte entwirft, die spielerische Interaktion erfordern, will man Töne produzieren. Die Skulpturen sind einzigartig seltsam und zurückhaltend, etwa so, als hätten sich Strukturen eines Kinderspielplatzes mit einem minimalistischen Bildhauer zusammengetan und dieser Beziehung wäre sodann ein lärmendes Ergebnis entsprungen.

Genau wie diese beiden Elternteile, erflehen und belohnen auch die akustischen Skulpturen Neugier und Interaktion. Tritt hier drauf, drück da, schüttle hier, schlag da dran – und im Gegenzug erklingen Glocken und Rasseln und Zimbeln. Mehrere Nutzer können auch herausfinden, wie man bestimmte Töne hervorbringen kann und sogar absichtlich Melodien erzeugen. Für einen Trauermarsch wird es wohl nicht reichen, doch ehrlich gesagt gibt es ohnehin schon genug traurige Musik da draußen.

— Lori Waxman, 7. Juli 2012, 16.57 Uhr, 16.54 Uhr

When someone is using a musical instrument, we say that they are playing it. That doesn’t necessarily mean that they are being playful with their flute or guitar, however. Christopher Porcarelli aims to change this situation by designing experimental acoustical objects that necessitate playful interaction in order to generate sound. The sculptures are uniquely odd and restrained, like what might happen if the structures in a children’s playground got together with a minimalist sculptor and produced some noisy offspring.

And like both those parental figures, they entreat and reward curiosity and interaction. Step here, push there, shake here, wobble there—chimes and rattles and cymbals clang in response. Multiple users can even figure out, experientially, how to create certain sounds and even tunes intentionally. A funerary dirge these will not produce, but frankly, there’s enough sad music out there in the world already.

— Lori Waxman 7/7/12 4:57 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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