60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: DianaKahn

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Voll mit goldenen, wertvollen Materialien ist die Kunstgeschichte. Bedenkt man die immensen Ressourcen, die für kulturelle Artefakte wie ägyptische Grabmalereien, griechische Tempelfriese, buddhistische Skulpturen und Tierhäute, die von den amerikanischen Ureinwohnern gestaltet wurden aufgewandt werden, dann erscheint die Entdeckung des künstlerischen Werks von DianaKahn eine wunderbare Überraschung bereit zu halten.

Obgleich auch ihr Werk auf Hieroglyphen und anderen antiken Repräsentationssystem fußt, so sind DianaKahns Zeichnungen nichtsdestotrotz zutiefst vergänglich. Sie arbeitet improvisierend und in der Natur, wählt ihre Materialien aufgrund der Jahreszeiten aus. Tintenskizzen auf Schnee, das Eis und das Wasser verschwindet in Sekunden, Minuten, Stunden oder auch nach Tagen. Zweige, Ritzen, Fußabdrücke, Reifenspuren und Reflektionen wetteifern mit schwarzem Buschwerk um kompositorische Aufmerksamkeit, wenn es um die Darstellung einer griechischen Mutter mit Kind, das Antlitz einer buddhistischen Gottheit oder ein ägyptisches Ritual geht.

Ein wenig Schnee bewahrt das Fragment eines Bildes, gleich einer Tonscherbe oder einem abgenutzten Wandgemälde. Und dann ist es wieder verschwunden, geschmolzen, weggewaschen, zurück in den Boden versickert – nur dass jetzt, tausend Jahre später, DianaKahn eine Kamera dabei hat, um Fotografien zu machen.

— Lori Waxman. 11. August 2012, 16.55 Uhr

Art history is full of old, fragmented, precious materials. Given the immense resources that go into the preservation of cultural artifacts like Egyptian tomb paintings, Greek temple friezes, Buddhist sculptures and American Indian animal hides, it comes as a splendid surprise to discover DianaKahn’s artwork.

Although based on hieroglyphs and other ancient representational systems, DianaKahn’s drawings are profoundly ephemeral. She works improvisationally and in nature, choosing her materials based on the season. Sketches in ink on snow, ice and water disappear in seconds, minutes, hours or days. Twigs, cracks, footprints, tire tracks and reflections vie for compositional attention with black brushwork depicting a Greek mother and child, the face of a Buddhist deity, an Egyptian ritual.

A patch of snow holds a fragment of an image, like a shard of stone or a worn mural. And then it’s gone, melted, washed away, back into the ground—except that now, a thousand years later, DianaKahn can use a camera to take photographs.

—Lori Waxman 8/11/12 4:55 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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