60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Dragan Lovrinovic

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Künstler vermögen die Welt vernünftig zu fassen, indem sie diese vergrößern oder verkleinern, indem sie das Chaos zu einem unerträglichen Wirbelwind anschwellen lassen oder es auf einen einzelnen Schmetterling reduzieren.

Mit „Remember Death“ legt Dragan Lovrinovic in unserer Nach-9/11-Welt noch eins drauf, indem er die Betrachter mit einer dschungelartigen, erschreckenden Assemblage aller Teile dieser Geschichte und einige andere in nur einem einzigen Raum unterbringt. Der Krieg ist natürlich überall. Die ekelhaftesten Bilder aus dem Internet zieren eine kleine Galerie, und diejenigen, welche die Kraft haben genau hinzusehen, werden eine unerwartete Vermischung der Kultur von Kindern und der Kriegskultur finden.

Bert trifft auf Osama, Ronald McDonald trägt einen Hitler-Schnurrbart, und jeder kriegt darüber hinaus noch einen dicken, fetten Penis verpasst. Wenn das nicht infantil ist, was dann? Das Motiv setzt sich in skulpturaler Form fort, durch bonbonfarbene Granaten, in Bomber verwandelte Barbie-Flugzeuge und einem Tank mit Minarett, der aus dünnem Holz gebaut wurde, ähnlich einem überdimensionalen Spielzeugmodell.

Eine ganze Generation von Kindern ist auf beiden Seiten im Belagerungszustand aufgewachsen, doch schlimmer noch, eine ganze Ränke schmiedende Gruppe von Männern, darunter auch George W. Bush, haben die Welt zu ihrem Spielplatz gemacht – und sie haben alles andere als gesittet gespielt.

Der Tod ist wohl das Faktum, das in all dem erkennbar wird

— Lori Waxman, 18. Juli 2012, 16.41 Uhr

Artists can make sense of the world by either maximalizing it or minimizing it, by making chaos an unbearable whirlwind, or by reducing it down to a single butterfly.

In “Remember Death,” Dragan Lovrinovic does our Post-9/11 world one better, deluging viewers with a jungly, horrifying assemblage of all the parts of this history and then some, and all in the space of one room. War is everywhere, of course. The vilest of internet images decorate a small gallery, and those who can bear to look closely will find an unexpected intermingling of children’s culture and war culture.

Bert meets Osama, Ronald McDonald gets a Hitler moustache, and everyone gets a big, fat penis. If that isn’t childish, who knows what is. The theme carries over into sculptural form, with candy-colored grenades, Barbie airplanes-turned-bombers, and a tank-cum-minaret, built out of thin wood like an oversize toy model.

A generation of kids on all sides have grown up under siege, but worse, a cabal of men, George W. Bush among them, took the world as their playground, and didn’t play nice.

Death may be the simplest fact to remember in all of this.

—Lori Waxman 7/18/12 4:41 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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