60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Eckehard Dworok

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Wasserfarben sind ein erquickliches Medium, ein schmuckes Mittel, um lockere, hübsche Farben ins Bild zu bringen. Doch das kann auch zu schrofferen und seltsameren Ergebnissen führen, so wie es bei den Bildern von E. Dworok der Fall ist.

Anstatt, wie dies für gewöhnlich geschieht, Pigmente auf Wasserbasis auf dickes schweres Papier aufzubringen, hat Dworok eine Technik entwickelt, die Polypropylen ins Spiel bringt. Die Farbe klebt eher an der Oberfläche des Bildes, anstatt von diesem absorbiert zu werden, und das wiederum schafft überzeugende, an Öl erinnernde Flächen, die zum Teil wässrig, zum Teil gasförmig wirken. Was allerdings in der Tat in diesem Zusammenhang aufregend ist, ist der Umstand, dass Dworok nicht der Versuchung nachgibt, mit seiner neuen Technik freundliche Effekte zu generieren, sondern auf das verstörende Moment des Politischen setzt.

Das funktioniert dann am Besten, wenn er Situationen wie die nukleare Kernschmelze von Fukushima darstellt, wo ganze Landstriche von giftigen Wolken erschreckender Herkunft heimgesucht werden. Nicht ganz so gut funktioniert es, wenn es um klar definierte Symbole geht, wie zum Beispiel den Schuh, der im Zuge der ägyptischen Revolution als mahnendes Zeichen hochgehalten wurde. Bedenkt man jedoch das momentane Weltklima natürlicher und von Menschen geschaffener Katastrophen, so wird Dworok wohl kaum Mangel haben an Motiven, die seine finstere Herangehensweise auch verdienen.

— Lori Waxman, 25. August 2012, 14.38 Uhr

Watercolor is a pleasant medium, a pretty means of achieving loose, lovely colors. But it can achieve harsher, stranger results, too, as it does in the hands of E. Dworok.

Rather than apply water-based pigments to thick, heavy paper, as is typically done, Dworok has evolved a practice that employs polypropylene. Color sits on top of the picture rather than being absorbed into it, creating striking oily expanses that appear part aqueous, part gaseous. What truly excites, however, is that Dworok resists the urge to create benignly attractive effects with this new technique, opting instead for unsettling political ones.

This works best when he depicts situations like the nuclear meltdown in Fukushima, poisoning an entire landscape with bilious clouds of frightening origin. It’s less successful with precise symbols, like a shoe held up as an insult during the Egyptian revolution. But considering the current world climate of natural and manmade disasters, Dworok ought not to lack for subjects that could use his glowering touch.

—Lori Waxman 8/25/12 2:38 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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