60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Gabriele Luck

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Gabriele Luck signiert ihre Kollagen mit „GLuck“ was nahe legt, dass man ihre Vision der Welt im Sinne des Glücks begreifen sollte.

Das ist auch ein ganz vernünftiger Ansatz, wenn man sich ihre Kompositionen betrachtet, auf denen etwa eine kleine Herde Elefanten auf einer verschneiten Ebene entlang ziehen, im Hintergrund ein vereinzelter Leuchtturm. Dann gibt es ein sehr altes Sonnensystem, mit einem Mond, der von Cannabis bedeckt ist, und einem sehr fröhlichen Astronauten. Ein einzelner schwarzer Panther schaut aus einem Loch in der Wüste hervor. Eine schwangere Mutter Erde und ihr kahler Planet. Eine turbulente Montage aus Kampfjets, Schädeln, Überflutungen, Ölfässern und einer pittoresken Landschaft.

Die Frage, die sich hierbei stellt, ist demnach, ob das Glück selbst daran glaubt, dass die Welt glücklich genug sein wird, das heißt Glück haben wird, und den gegenwärtigen Zustand, der von Klimakatastrophen und politischen und humanitären Krisen bestimmt ist, überleben wird und dazu all jene, die noch kommen werden. Die Kollage – und das führt sie sowohl intuitiv als auch strategisch (und Gott sei Dank mit Humor) ins Feld – ist ein perfektes Medium, in dem man derlei entscheidende und letztlich unbeantwortbare Fragen stellen kann.

— Lori Waxman, 15. September 2012, 17.33 Uhr

Gabriele Luck signs her collages “GLuck," so it’s tempting to understand her vision of the world in terms of luck, which is the German translation of her fortuitous nomenclature.

As it happens, this proves a reasonable approach to compositions that picture a small herd of elephants roaming a snowy plain, overseen by a lone lighthouse; an ancient solar system that includes a moon covered in cannabis and one very happy astronaut; a lone black panther peering out of a hole in the desert; a pregnant mother earth and her barren planet; and a tumultuous montage of fighter jets, skulls, flooding, oil barrels and one picturesque landscape.

The question, then, is whether or not Luck believes that our world has enough good fortune, i.e. luck, to survive the current state of climatological and political and humanitarian crises, as well as those to come. Collage, which she wields both intuitively and strategically—and with humor, too, thank goodness—is a perfect medium through which to pose such relevant but ultimately unanswerable questions.

—Lori Waxman 9/15/12 5:33 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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