60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Gerhild van Rooij

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Ein entstellter, orangefarbener Plastikgebrauchszaun, ein in Fetzen gerissener Plastikbeutel, der sich in einem Zaun aus Kettengliedern verfangen hat, ein abgeschabtes Stück Tapete aus Seidenstoff, ein Lippenstiftabdruck auf einem Stück Papier und ein Scheibchen von einem Gesichts, das durch einen Schleier späht – all diese Elemente ergeben einen ausgefallenen Strauß.

Jedes einzelne davon ist das Thema eines Kunstwerks von Gerhild van Rooij, doch vielleicht sind sie zusammen genommen nicht so unverbunden, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Als Designerin die mit Grafiken und am Theater arbeitet, hat van Rooij eine Neigung für winzig kleine, vergessene Details und wie man sie ausleuchten kann, damit sie sichtbar werden. Am überzeugendsten ist ihr orangefarbener Zaun, dessen flexibles Gitter auf feine Weise schwebt, ein Grafikdesign, das auf der Straße lag. Doch letzten Endes ist es wohl die Stille, die all diese Arbeiten miteinander verbindet: Die Stille eines geschlossenen Mundes, des Gesichts hinter der Maske, der Hürden, die uns stumm im Weg stehen.

— Lori Waxman, 18. Juli 2012, 17.15 Uhr

A mangled plastic orange utility fence, a shredded plastic bag caught on a chain link fence, a threadbare patch of silk wallpaper, a lipstick kiss on a piece of paper, and the sliver of a face peaking through a veil—these elements make an eccentric bunch.

They are each the subject of an artwork by Gerhild van Rooij, but they are perhaps not as unconnected as they may first seem. A designer who works with graphics and in the theater, van Rooij has an affection for the tiny, forgotten detail and the way light can catch it and make it visible.

Her most striking image is the orange fence, whose flexible grid wavers delicately, a graphic design found on the street. But ultimately it may be silence that quietly links these works together: the silence of a closed mouth, of the face behind a mask, of the barriers that stand mutely in our paths.

—Lori Waxman 7/18/12 5:15 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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