60 Worte/Min. Kunstkritik - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Gisela Kirsch-Thürmer

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Tsunamis, Bankenkrise, Waldsterben, Gentrifizierung, Tornados, Bombardierungen – die Motive für Gisela Kirsch-Thürmers Malerei lesen sich wie eine Katastrophenliste der Gegenwart, was sie in der Tat auch sind.

Derlei düstere Themen legen eine dunkel gestimmte Farbpalette nahe, doch in der Tat schimmern die Leinwände von Kirsch-Thürmer in den sonnigen Schattierungen von Juwelen. Während man meinen sollte, ihre Kompositionen trügen die Bürde der Welt, versprechen stattdessen großzügige Winkel und opulent aufgebrachte Folien Hoffnung inmitten des Chaos. Zugegebenermaßen könnte hingegen die Aufbringung von Farbe dichter erfolgen, wenn man den substantiellen Überzeugungen der Künstlerin Gewicht verleihen wollte.

Doch die Bilder sind bestens als Illustrationen für Essays geeignet, die sich mit diesen derzeitigen Problemlagen beschäftigen. Dennoch tragen sie sich auch selbst, da sie nicht allein Symbiose zwischen Absicht und Botschaft sind, sondern auch aufgrund der unglücklichen Tatsache, dass wir mittlerweile mit den unglücklichen Tatsachen dieser weltweiten Misere vertraut sind.

— Lori Waxman, 23. Juli 2012, 15.09 Uhr

Tsunamis, banking crises, deforestation, gentrification, tornadoes, bombings—the subjects of Gisela Kirsch-Thürmer’s paintings read like a disaster list of current events, which in fact they are.

Such dismal topics suggest an equally dark palette, but in fact many of Kirsch-Thürmer’s canvases glimmer with sunny jewel tones. Their compositions ought to be burdened with the weight of the world, but instead ample angles and abundant overlays suggest hope in the midst of chaos.

Admittedly, the application of paint could be denser, to carry the weight of the artist’s substantial convictions, but the pictures would do well as illustrations for essays on any of these contemporary situations. Yet they are able to hold their own as well, on account of the symbiosis that exists here between intention and message, but also because of the unfortunate familiarity global plight.

—Lori Waxman 7/23/12 3:09 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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