60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Gottschlich, Dierk, Wulftange, Frenking, Schlittenhardt und Schimmelpfennig

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Man stelle sich ein Mischung aus dem Werk des amerikanischen land artist Michael Heizer und einer Gruppe von Kindern vor, die im Sandkasten spielen. Das kommt der ephemeren Skulptur dann ziemlich nahe, die von einer Gruppe von sechs Männern an einem Strand in den Niederlanden geschaffen wurde. „Cube“ wurde erstmals 2006 gebaut und dann nochmals 2012, nun größer und besser. Wir haben es hier mit dem Wahn und dem Luftschloss von Holger Gottschlich, Jan-Michael Dierk, Heiko Wulftange, Christian Frenking, Arne Schlittenhardt und Lars Schimmelpfennig zu tun.

„Cube“ [„Würfel“], das muss gesagt werden, ist ein Würfel nur dem Namen nach und gemäß der Kraft der Imagination. Das heißt: Nur eine Ecke des Würfels ragt aus dem Sand hervor, gleich dem Bug eines Schiffes, das vor langer Zeit sank. Das ist dann das einzige geometrische Ding, das es in weiten Umkreis gibt. Doch nicht lange bleibt das so. Wie Kinder schnell herausfinden – und so auch Michael Heizer – mögen Sand, Wind und Wasser keine harten Kanten, und selbst die ehrgeizigste Konstruktion aus Sand wird schließlich zum Verschwinden verurteilt sein. „Cube“ gibt es schon lange nicht mehr. Zumindest den Teil nicht, den man sehen konnte.

— Lori Waxman, 11. August 2012, 17.29 Uhr

Imagine a cross between the work of the American land artist Michael Heizer and a group of children building sandcastles and you will come close to an ephemeral sculpture constructed by a group of six men on a beach in the Netherlands. “Cube” was built first in 2006 and again in 2012, this time bigger and better. It is the folly of Holger Gottschlich, Jan-Michael Dierk, Heiko Wulftange, Christian Frenking, Arne Schlittenhardt and Lars Schimmelpfennig.

“Cube,” it ought to be said, is a cube only in name and force of imagination. That is to say, just the tip of the cube sticks out of the sand, like the prow of a ship wrecked long ago. It’s the only geometric thing for miles—but not for long. As children learn, and Michael Heizer too, sand, wind and water do not like hard edges, and even the most ambitious sand construction will disintegrate eventually. “Cube” is long gone, at least that part of it that was visible.

—Lori Waxman 8/11/12 5:29 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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