60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Gudrun Finis

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Models, amerikanische Ureinwohner, antike Könige, Tänzer im Alltag und Männer in traditioneller arabischer Kleidung bevölkern Gudrun Finis Arbeiten auf Papier. Sie sind sehr unterschiedlich gestaltet, mit Bleistift, Wachs- und Ölstiften, übertragenen und collagierten Bilder; diese geschäftigen Kompositionen behandeln ihre Myriaden von Motiven nicht alle gleich, doch auch nicht mit systematischer Differenziertheit. Manche sind mit hellen Farben verziert, die an Juwelen erinnern, andere sind erdig neutral gehalten, und wieder andere kombinieren beide Weisen.

Die Ironie liegt darin, dass sich die wesentlichsten Augenblicke an den unwesentlichsten Orten ereignen, wo Finis gefundene Bilder nur teilweise transferiert und es ihnen gestattet in Fluss zu kommen, um sichtbar zu werden oder wieder zu verschwinden. Sie bleiben dann den Launen der Zeit, der Geschichte, der Kunst und sogar den Zirkulationen der Nachrichten überlassen. Das ist zumindest der Fall bei den Männern vom persischen Golf, die nur beinahe da sind, mit ihren Schwarz beringten Kopfbedeckungen, neben den anderen Männern in schwarzen Anzügen, deren Aufenthaltsort unklar bleibt, da Finis ihn zum Großteil ausgespart hat.

Ein gemalter grauweißer und brauner Hintergrund deutet ebenso einen Sandsturm an, wie er auch auf eine banale Vorstandsetage verweist.

— Lori Waxman 11. Juli 2012, 15.02 Uhr

Fashion models, Native American Indians, ancient kings, everyday dancers, and men in traditional Arab dress populate Gudrun Finis’s works on paper. Variously made with pencil, wax, oil stick, image transfer and collage, these busy compositions treat their millennia of subjects not exactly all the same, but not with systematic difference either. Brightly jeweled colors decorate some, earthy neutrals others, and still more get a combination of both.

Ironically, the most substantive moments happen in the least substantial places, where Finis transfers found images incompletely, allowing them to float in and out of visibility, subject to the vagaries of time, history, art and even the news cycle. That, at least, is how a cluster of Persian Gulf men appear, just barely there in black ringed headdresses, standing near other men dressed in business suits, their whereabouts unknowable because Finis has mostly left it out.

A painted ground of off white and browns suggests a sandstorm as much as the most banal of boardrooms.

— Lori Waxman 7/11/12 3:02 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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