60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Helga Schade

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Neonfarbiges Plexiglas ist wahrscheinlich ein wenig beliebtes Material, doch das gilt glücklicherweise nicht für Helga Schade. Nachdem sie zahlreiche Experimente mit Farbe, Form und Krümmung unternommen hat, entschloss sich die Künstlerin den Fön für Streifen mit den Dimensionen 2,7 mal 0,2 Meter einzusetzen.

Neongelb verdreht sich unter dem warmen Luftstrom, elektrifizierendes Blau verwickelt sich und Rot, Bernsteingelb, Knallpink, Pfirsichfarben und durchsichtiges Plexiglas nehmen nun ihre jeweils einzigartigen Formen eingefrorener Kurvenbewegungen an. Leuchtend und abstrakt wirkt diese Skulptur auf den ersten Blick, wie ein Flashback aus den 80er Jahren – aber einem, der schon die Lektionen von Raumbezogenheit und relationaler Ästhetik intus hat, eine Kombination, die ganz und gar ins Heute gehört.

Von Natur aus transparent, beginnt das Plexiglas seine Umgebung aufzunehmen, es wird eins mit dem Kies oder Holz, das unter ihm liegt, mit den Bäumen oder Menschen, die hinter ihm stehen. Von Grund aus offen, lädt Schade die Betrachter dazu ein, die Formen neu zu platzieren, so als ob sie mit Bauklötzen spielten. Werden sie zu einem großen Verbund gruppiert, dann verwickeln sie sich auf atemberaubende Weise. In kleinen Gruppen oder sogar jede für sich allein, wirken sie auf unerwartete Weise betörend. Buntglasfenster, die die ganze Nacht in der Disco tanzten, allein oder zu zweien.

— Lori Waxman, 18. Juli 2012, 13.59 Uhr

Neon perspex may be one of the more underappreciated materials out there, though fortunately not by Helga Schade. After many experiments in color and form and line, the artist decided to use a blow dryer on strips of plastic 2.7 x 0.2 meters long.

Neon yellow twisted like this, electric blue coiled like that, and red, amber, hot pink, peach and plain each took on their own unique version of frozen curving motion. Bright and abstract, the sculpture looks at first like a flashback to the 1980s—but one that’s absorbed the lessons of site-specificity and relational aesthetics, a combination that could not be more of the moment.

Transparent by nature, the perspex takes on its surroundings, becoming one with the gravel or wood underneath it, the trees or people behind it. Open by nature, Schade invites viewers to rearrange the forms, as if they were building blocks. Grouped in a large cluster, they tangle overwhelmingly.

In small groups and even individually, they’re unexpectedly bewitching, stained glass windows gone out all night to the disco, dancing alone and in pairs.

—Lori Waxman 7/18/12 1:59 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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