60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Isabell Ertl

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Im Zeitalter der Sozialen Medien und in einer do-it-yourself-Kultur ist Transparenz Bedingung. Eine solche ist beinahe immer fesselnd und zuweilen sogar nützlich. In „Kein Katalog“ macht sich Isabell Ertl eine solche Transparenz zum Leitprinzip. Es handelt sich um eine Publikation, die sie mit Lara Sielmann herausgegeben hat, um die Gründung und das erste Jahr des Salon e.V. zu dokumentieren. Dabei handelte es sich um einen gemeinnützigen Kulturraum, den sie in Hildesheim im Jahr 2010 eröffnete.

Etwa vierzig Menschen haben mitgeholfen, Salon e.V. zu schaffen, und da jeder, der mit der Kulturarbeit zu tun hat, weiß, dass nichts von einer Person allein auf den Weg gebracht werden kann, kommen auf den Seiten von „Kein Katalog“ auch die vielen Stimmen, die sich da äußerten (oder zumindest Emails geschrieben haben) zu Wort und zu den credits, die ihnen auch zukommen. Neben der Emailkorrespondenz umfasst Ertls Buch auch Rechnungen, offizielle Anschreiben und Essays, die den verschiedenartigen Arbeitsanforderungen Rechnung tragen, die nötig sind, wenn man Ausstellungen oder Veranstaltungen organisiert. Vieles davon ist alltäglich und administrativ.

Und dann gibt es selbstverständlich noch Einladungen, Fotografien von Picknicks und Performances, Dokumentationen zu Kunstwerken, unter anderem ein paar schick aussehende flache Teller und winzige Keramiken, die raffiniert unter umgedrehten Weingläsern ausgestellt werden. Wen schließlich sollte es kümmern, wäre dem nicht so?

— Lori Waxman, 13. August 2012, 15.13 Uhr

In an age of social media and D.I.Y. culture, transparency is de rigueur. It is also almost always engrossing, and sometimes even useful. Isabell Ertl takes it as a guiding principle in “Kein Katalog,” a publication she edited with Lara Sielmann to document the founding and inaugural year of Salon e.V., a non-profit cultural space she established in the small city of Hildesheim in 2010.

Some forty people have helped to create Salon e.V., and while anyone involved in cultural production will know firsthand that nothing gets done by one person alone, the multitude of voices that speak (or, at least, write emails) throughout the pages of “Kein Katalog” give credit where credit is due. Besides email correspondence, Ertl’s book also contains financial documents, official paperwork and essays, which acknowledge the many kinds of labor that go into exhibition and event making, much of it quotidian and administrative.

And then, of course, there are invitations, photographs of picnics and performances, and the documentation of artwork, including some nifty looking chainsaw dinner plates and wee ceramic sculptures cleverly displayed under upside-down wineglasses. Because otherwise, why bother?

—Lori Waxman 8/13/12 3:13 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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