60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Jeffrey Doering

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Man nehme einen ehemaligen Lehrer einer Highschool, der dort Wissenschaften unterrichtete, füge einen Masterabschluss einer Kunsthochschule hinzu und was erhält man? Die Gleichung ist ziemlich einfach – schließlich gibt es nur zwei Komponenten –, doch das Ergebnis sorgt für die ziemlich einzigartige Möglichkeit, einige physikalische Bestandteile des Universums mittels einfallsreicher, partizipatorischer öffentlicher Skulptur zu erforschen.

Jeffrey Doering, der Mathematik, Wissenschaften und Shakespeare in Los Angeles und Schweden lehrte, ehe er sich entschloss einen Abschluss in Kunst zu machen, wobei er sich auf Eisen und Stahl im öffentlichen Raum konzentrierte, hat sich selbst zu einer wahren Kanone in Sachen Wissenschaftsausstellungen gemacht.

Sein erst kürzlich entstandenes „Strange Attractors #1“ demonstriert das Prinzip des Chaos. Die Teilnehmer klettern eine Treppe hoch, stoßen ein riesiges Pendel an und sehen zu, wie dieses etwa fünf Minuten schwingt. Jede Schwingung ist anders, da auch jeder Anstoß anders war, alle jedoch sind exakt. Doering peppt das mit einem Ring strahlend blauen Argongases und ein wenig raffinierter Spiegelarbeit auf, und bringt auf diese Weise – wieder einmal – das Kunstmuseum mit dem Wissenschaftsmuseum zusammen.

Man erinnere sich – in seinem früheren Leben lehrte Doering auch Shakespeare und im elisabethanischen Zeitalter waren Kunst und Wissenschaft noch keineswegs so getrennte Institutionen, wie sie es heute sind.

— Lori Waxman, 9. Juli 2012, 16.40 Uhr

Take one former high school science teacher, add a masters of fine arts degree, and what do you get? The equation is a simple one—just two elements—but the result is a rather unique opportunity for exploring some of the physical properties of the universe through inventive, participatory public sculpture.

Jeffrey Doering, who taught math, science and Shakespeare in Los Angeles and Sweden before deciding to pursue an arts degree focusing on iron and steel in public space, has set himself up to be a crackerjack creator of science museum exhibits.

His recent “Strange Attractors #1” demonstrates the principle of chaos. Participants climb a stairwell, push on an enormous pendulum, and watch while it swings for five or so minutes. Every swing is different since every push is different, however minutely. Doering jazzes this up with a ring of bright blue aragon gas and some nifty mirror work, bringing the art museum and the science museum together—again.

Remember, in his former life Doering also taught Shakespeare, and in the Elizabethan era art and science had not yet been become the separate institutions that they are today.

—Lori Waxman 7/9/12 4:40 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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