60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Jörg Döring

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Warum malen? Wozu greift man zu Pinsel, zu Wasser- und zu Ölfarben in einer Zeit, wo man mit einer Kompaktkamera ein Dutzend Bilder ebenso leicht wie ein einziges machen kann?

Die Malerei von Jörg Döring gibt darauf eine mögliche Antwort; es ist eine persönliche, doch auch eine völlig universelle: Liebe. Nicht die Liebe zum Malen, obwohl es selbstverständlich auch diese geben muss, sondern die Liebe zu bestimmten Dingen. Viele Jahre wanderte Döring mit seinem Wasserfarbmalkasten und schwerem Papier auf seinem Rücken durch die grüne Natur und machte immer dann Halt, wenn ihm eine bestimmte Szene ins Auge stach.

Die lebendigen Ergebnisse – vor allem ein Wald, bei dem Ultramarinblau und intensives Gelb ineinander verfließen – erinnern an die gesprenkelten Landschaften Cézannes und die dynamischen der Fauvisten. Aber Stock und Stein haben keine Chance gegen die Verlockungen, die von Enkelkindern ausgehen und Dörings Motive wurden jünger, possierlicher und auch ein wenig frecher.

Ein Ölportrait von Adele im Alter von drei Jahren fängt die faszinierende Intensität eines Kleinkindes ein, führt aber auch das weiche ungebärdige Haar und die großen braunen Augen deutlich vor Augen. Wäre es jetzt nicht an der Zeit, ein paar Kinder zu malen, die draußen in der freien Natur fröhlich herumtollen?

— Lori Waxman, 4. Juli 2012, 14.31 Uhr

Why paint? Why pick up brush and watercolor and oil in this day of point-and-shoot cameras, when a dozen pictures can be made as easily as one?

The paintings of Jörg Doering offer one possible answer, a personal but ultimately universal one: love. Not love for painting, though that of course must exist as well, but love for certain subjects. For many years Doering walked through the countryside with a traveling watercolor set and heavy paper on his back, ready to pull out his kit whenever a certain scene struck him.

The lively results—especially a forest daubed with ultramarine and marigold—recall the mottled landscapes of Cézanne and the vibrant ones of the Fauves. But hill and dale stand not a chance against the lure of young grandchildren, and Doering’s subjects grew young and cute and even a little bit cheeky.

An oil portrait of Adele, aged three years, captures the mesmerizing intensity of a toddler, as well as this particular girl’s soft unruly hair and big brown eyes. Now, how about some paintings of the children frolicking outdoors?

— Lori Waxman 7/4/12 2:31 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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