60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Joshua Goss

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Joshua Goss schafft Objekte aus Metall und Plastik, die den kompromisslosen modernistischen Skulpturen und Modellen internationaler und Präriestil Architektur gleichen.

Eine Serie von fünf flachen Dreiecken, die horizontal mit lebendigen roten Streifen versehen sind, baut sich stufenförmig auf, gleich einem dreidimensionalen Werk Frank Stellas. Dutzende von rechteckigen Kacheln, ausladend angehäuft, erstrecken sich elegant, wie Frank Lloyd Wrights Haus Falling Water.

Goss kümmert sich jedoch weniger um Dinge von so jungem Datum wie die Moderne, denn er geht von einer Art uraltem geologischen Prozess aus, der dazu führt, das sich Berge auftürmen, sich Gesteinsschichten bilden und Erdschichten sich verwerfen. Analog dazu schafft er Kunstwerke, indem Schichten von Eisen und Stahl Druck ausgesetzt werden, geschnitten, erhitzt und in Scheiben aufgeschnitten und zuweilen anschließend mit farbigem Plastik oder durchsichtigem Plexiglas konfrontiert. Die genauen Ergebnisse dabei sind ebenso unvorhersehbar wie es bei ihren geologischen Inspirationsquellen der Fall ist.

Warum also dann diese Anklänge an die Moderne? Stella suchte mit seinen Streifenbildern nach etwas Fundamentalen und Beweisbaren, und Wright wollte das Wesentliche freilegen – und das ist letzten Endes nicht so weit weg von dem, was auch in der Natur geschieht.

— Lori Waxman, 23. Juli 2012, 17.22 Uhr

Joshua Goss makes objects out of metal and plastic that resemble hard-edged modernist sculptures and models of International and Prairie Style architecture.

A series of five flattened triangles, horizontally bisected with vivid red stripes, cascades like a three-dimensional Frank Stella. Dozens of rectangular tiles, stacked in sprawling clusters, range elegantly like Frank Lloyd Wright’s Falling Water House.

Goss is not concerned with anything as recent as modernism, however, but rather with the kind of ancient geological processes that cause mountains to rise and strata to form and faults to open up in the earth. As an artistic analog, he subjects layers of iron and steel to pressure, cutting, heating and slicing, and sometimes juxtaposes them with colored plastic or clear Plexiglas. The precise results are as unpredictable as those of their geological inspiration.

So why the modernist echoes? Stella was after something fundamental and provable with his stripe paintings, and Wright sought the essential—that’s not so far from nature after all.

—Lori Waxman 7/23/12 5:22 PM

Serie

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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