60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Katrin Leitner-Peter

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Katrin Leitner-Peter ist nicht die erste Künstlerin, die ein Interesse für Pilze an den Tag legt, und sie wird wohl auch nicht die letzte sein. John Cage war wichtiges Mitglied der Mykologischen Gesellschaft in New York; und kein Zweifel besteht auch daran, dass die halluzinatorischen Eigenschaften einiger Pilzarten über die Jahrhunderte hinweg dazu beigetragen haben, kreative Visionen zu befördern.

Worin besteht nun aber der Einfluss, den sie auf Leitner-Peter haben? Geht man von ihren umfangreich vorhandenen Entwürfen in Acryl aus, dann scheint sich ihr Interesse zum Teil aus wissenschaftlichem Entdeckungsdrang und zum Teil aus zügelloser Projektion zu speisen. Ein Bild nach dem anderen präsentiert eine bislang unbekannte Art eines heiß in Pink strahlenden und grauen Pilzes in einer erstaunlichen Vielfalt: Da gibt es Pilze mit mehreren Köpfen und Stämmen, Pilze, die sich mit elektronischen Ausgängen verschalten, Pilze die tropfen und sabbern, explodieren und im Begriff stehen, ihre Form zu verlieren, Pilze, die in Flammen stehen, ja sogar Pilze mit Babys, die ihnen angefügt sind. Ein weniger umfangreiches Set von Bildern macht sich über die Daten Gedanken, die in diesen kuppelförmigen Fungi gespeichert werden und zwar insoweit dies biologische Geschichte, Energiepotenziale und Bewusstsein angeht.

Ist das imaginäre Forschungsarbeit oder halluzinatorische Dokumentation? In jedem Fall ein Arbeitstag einer Künstlerin, die früher als eine der „Flying Scientists“ bekannt war.

— Lori Waxman, 22. August 2012, 17.06 Uhr

 

Katrin Leitner-Peter is not the first artist to reveal an interest in mushrooms nor will she be the last. John Cage was a member in good standing of the Mycological Society of New York, and certainly the hallucinatory qualities of certain varieties have inspired creative visions for centuries.

So what is the appeal for Leitner-Peter? Based on a copious number of acrylic sketches, her interest appears to be part scientific discovery, part wild projection. Drawing after drawing details a previously unknown species of hot pink and grey fungus that exhibits a stunning amount of variations: there are mushrooms with multiple heads and stalks; mushrooms that plug-in to electric outlets; mushrooms that drip, drool, explode and disintegrate; mushrooms on fire; even mushrooms with babies appended to them. A smaller set of pictures speculates on the data stored in these domed fungi, in terms of biological history, energy potential and consciousness.

Imaginative research or hallucinatory documentation? Either way, it’s all in a day’s work for an artist previously known as one of “The Flying Scientists.”

—Lori Waxman 8/22/12 5:06 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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