60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Ludwig Möller

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Im Land des Joseph Beuys ist jeder Künstler und überall gibt es soziale Plastiken. Ludwig Möller unterrichtet an der Universität Kassel, glaubt fest an diese Idee des Lernens und ist ihr scharfsinniger Anwender. Seine „Moving School“ eröffnete letzten Oktober mit einer Art Vorform, die sich „Changemaker Camp“ nannte und dieses nimmt auch wieder in diesem August in Kassel den Betrieb auf. Reisen nach London, Amsterdam, Paris und an andere Orte sind geplant.

Völlig unmöglich zu sagen ist dabei, wie sich das abspielen wird, was es bedeuten wird, was gelernt werden wird und was geschaffen. Ganz ohne Zweifel aber sind die Absichten lobenswert. Sekundarschulwesen sowie Universitätsausbildung stecken ja tatsächlich noch im 19. Jahrhundert fest, und demgegenüber scheint sich Möllers stets entwickelndes, flexibles Curriculum in einem anderen Raum zu bewegen. In seiner Schule zielen Anwendungen auf die Welt der Wirtschaft, der Bildung und des Sozialen. Mittelpunkt des Lernens sind Lachen, Kreativität, Kooperation, Gemeinsinn, Neugier und Mut.

Das alles scheint im besten Falle möglich, so etwa wie das Programm einer wirklich guten Vorschule. Nicht zuletzt ist Deutschland ja nicht nur das Geburtsland von Joseph Beuys, sondern auch das des Kindergartens. Kreatives Lernen muss nicht im Alter von fünf Jahren enden. Beuys wusste das, Möller weiß das und auch wir sollten das wissen.

— Lori Waxman, 13. Juni 2012, 17.05 Uhr

In the land of Joseph Beuys, everyone is an artist and social sculpture is everywhere. Ludwig Moeller, a lecturer at the University of Kassel, is a believer in this way of learning and an astute practitioner of it. His “Moving School,” which debuted as a prototype called the Changemaker Camp last October, begins again this August in Kassel and projects a journey to London, Amsterdam, Paris and further on.

Impossible to say how it will play out, what it will mean, what will be learned and what will be made. Certainly the intentions are laudable. Secondary and university education are indeed stuck in the 19th century, and Moeller’s evolving, flexible curriculum appeals in contrast. In his school, which aims to have applications for the worlds of business, education and the social, learning centers on laughter, creativity, cooperation, collectivity, curiosity and courage.

This sounds, in the very best way possible, like the program at any truly good preschool. Germany, after all, is not just the birthplace of Joseph Beuys but also of kindergarten. Creative learning ought not stop at age five. Beuys knew that, Ludwig Moeller knows it, and we can too.

—Lori Waxman, 06/13/12 (5:05pm)

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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