60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Maja Jutta Hagen

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Maja Jutta Hagen ist Befürworterin einer Wiederannäherung von Kunst und Leben, sie ist Verfechterin der offenen Kreativschulen, die durch Joseph Beuys popularisiert wurden, und sie beschäftigt sich auch mit Chakras. Ebenso ist sie auch die Malerin pointillistischer Apfelbäume, hübscher Wasserlilien, einer düsteren doch lebendigen Abstraktion mit dem Titel „Islamic“, einer rauen und mit prononcierten Pinselstrichen gearbeiteten Landschaft und einer quirligen Darstellung japanischer Kirschblüten.

Vergleicht man nun Hagens Glaubensüberzeugungen mit ihrem künstlerischen Werk, dann stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von Repräsentation und Wirklichkeit. Ist ihr Gemälde von Chakras ein energetischer Durcharbeitungsprozess an sich, oder ist das schlicht eine Abbildung? Dasselbe gilt für das Portrait einer Kundalini-Tänzerin. Eine solche Untersuchung kann man erfolgreich auf die Gesamtproduktion von Hagen ausweiten, selbst auf diejenigen Bilder, die scheinbar mit Spiritualität nichts zu tun haben, wie etwa die Blumenbilder.

Ohne Zweifel wäre auch Beuys so vorgegangen. Und auch Mohammed.

— Lori Waxman, 15. September 2012, 16.30 Uhr

Maja Jutta Hagen is a proponent of the rapprochement between art and life, of the kind of open creative schooling popularized by Joseph Beuys, and of spiritual notions like chakras. She is also a painter of pointillist apple trees, pretty water lilies, a moody but vibrant abstraction she describes as “Islamic,” a harsh, brushy landscape, and an effervescent rendering of Japanese cherry blossoms.

Posing Hagen’s belief structure alongside her artistic production raises questions of representation versus reality. Is her painting of the chakras a working through of energy, or is it simply a depiction? Likewise her portrayal of a kundalini dancer. This inquiry might fruitfully be extended to all of Hagen’s artistic production, even those images that seem to be unconnected to spirituality, like floral motifs.

Certainly Beuys would have had it that way. And Mohammed, too.

—Lori Waxman 9/15/12 4:30 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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