60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Manfred "Mensch" Mayer

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Immer wieder wird in Deutschland Joseph Beuys im Zusammenhang mit Kunst herbeizitiert. Einer Kunstkritikerin aus Nordamerika, für die Beuys und die Ideen von einer Sozialen Plastik immer einen radikalen Ansatz darstellten, der außerhalb des Erkenntnishorizonts und des Begriffsvermögens der allgemeinen Öffentlichkeit geblieben ist, scheint das erstaunlich.

Umso besser für die Deutschen und vor allem für die, welche in der Region Hallertauer leben, wo lokale soziale Plastiker in Gruppen so eifrig wie die Bienen waren – und das ist buchstäblich gemeint.

Soziale Skulptur Hallertauer, der Manfred „Mensch“ Mayer angehört, richtet viele Projekte aus, die dazu dienen sollen Menschen, Tiere, Kulturen und Ökonomien in Einklang zu bringen. Dabei geht es um neue Formen des Papiergeldes, das den Euro auf der Ebene kleiner lokaler Geschäfte ablösen soll. Um urbane Gärten, die in öffentlichen Anlagen der Stadt entstehen, auf Privatgrundstücken und in Schulen. Um ein Symposium, das viele Beuys-Schüler zusammenbrachte. Was all diese Menschen vereint und was sie von allen anderen Soziale Skulptur Projekten unterscheidet sind die Bienen. Bienen findet man auf ihren Banknoten, sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der Pflanzen, die gepflanzt werden und sie geben auch ihrem Treffen den Namen.

„Beuys und die Bienen“ nennen sie es und meinen es auch so. Der Stock, der Honig, das gemeinsame Zusammenarbeiten – sie sind Modell für eine Soziale Plastik. Und Beuys ist dabei selbstverständlich die Königin.

— Lori Waxman, 6. August 2012, 16.08 Uhr

Joseph Beuys is invoked continuously in Germany in connection to the arts. This comes as a surprise to a North American art critic, for whom Beuys and the idea of social sculpture remain radical, outside the knowledge and comprehension of the general public.

So much the better for Germans, and especially those who live in the region of Hallertauer, where a local social sculpture group have been busy as bees, quite literally.

Soziale Skulptur Hallertauer, to which Manfred “Mensch” Mayer belongs, has many projects on the go that aim to harmonize people, animals, culture and the economy. These include a new form of paper money, intended to replace the Euro in small local businesses; urban gardens, which have sprung up on official town sites, private property and school grounds; and a symposium, which brought together many of Beuys’ disciples. What unites them all, and what differentiates them from other social sculpture projects, is bees. Bees decorate their money, determine which flowers are planted, and gave the name to their gathering.

“Beuys and the Bees” they called it, and they meant it. The hive, the honey, the communal work constitute a model for social sculpture. And Beuys, of course, is the Queen.

—Lori Waxman 8/6/12 4:08 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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