60 Worte/Min. Kunstkritik - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Margarete Schwaiger

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

In den 40er Jahren begannen Ärzte Kunst als Behandlungsmethode für psychische Störungen zu verschreiben. Was macht diese aber so heilsam in ihrem Vollzug? Und was macht die daraus entstehende Kunst so überzeugend, dass sie seit langem von radikalen Sammlern gesammelt wird, wozu nicht zuletzt auch die Surrealisten gehörten?

Eine gute Möglichkeit sich diesen Fragen zu widmen bietet das Werk von Margarete Schwaiger, die vor fünfzig Jahren zu malen begonnen hat, um auf eine Kindheit zu reagieren, die von Missbrauch bestimmt war; Malerei, die sie durch ein Leben in psychiatrischer Betreuung und über die letztendliche Entfremdung ihrer Familie gegenüber weiter betrieb. Eine winddurchtoste Meerlandschaft stammt aus ihrer Zeit als Teenager und vermittelt eine Schwere an den bedeutsamen Sonderbarkeiten einer pittoresken Szenerie.

Ein Blumenstillleben erblüht, verströmt Düfte und verblüht im selben Zug. Eine wirbelnde Abstraktion in grün und gelb lässt bei all seiner Dichte überall das Chaos aufklaffen. Etwa sechshundert Bilder später sagt Schwaiger, dass diese Medizin sie geheilt hätte, und dass sie nun noch mehr male als je zuvor. Und genauso wirkt diese Medizin auch bei den Betrachtern ihrer Gemälde.

— Lori Waxman, 28. Juli 2012, 17.07 Uhr

Doctors began prescribing art as a treatment for psychological disturbances in the 1940s. What makes it so healing a process? And what makes some of that art so compelling that it has long been the object of radical collectors, the Surrealists among them?

As good a place to look as any is the oeuvre of Margarete Schwaiger, who began painting fifty years ago in response to a childhood of abuse and continued through a lifetime of psychiatric care and the eventual estrangement of her family. A windswept seaside dating to her teenage years bears a heaviness at meaningful odds with its picturesque scenery.

A floral still life blooms, perfumes and withers all at once. A swirling green and yellow abstraction renders chaos everywhere, in all of its density. Some six hundred paintings later, Schwaiger says the medicine cured her, and that she continues to paint more than ever before. All that, and it works on viewers of her paintings, too.

—Lori Waxman 7/28/12 5:07 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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