60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Marilu Klein

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Es ist nicht gerade angenehm, lange Zeit in einem Warteraum eines Krankenhauses zu verbringen, über die Diagnose im Ungewissen und beunruhigt zu sein. In solchen schwierigen Augenblicken können Kunstwerke wie die Zeichnungen und Gemälde von Marilu Klein Trost spenden.

Klein nennt ihre Arbeitsweise „Moving Art“ [„Bewegende Kunst“]. Das ist ein passender Titel, bedenkt man die bejahende, erleichternde Lebendigkeit der Farben und Formen ihrer intuitiven Bilder. Diese werden durch die kräftigen Schattierungen von Blau, Grün und Rot lebendig, sie verschwimmen in sanfter Bewegung, zeugen von organischem Leben, erinnern an Schneckenhäuser, Federn oder lange Grashalme. In diesen Bildern ist das Leben eine positive Kraft, eine, mit der man sich mitbewegt und die einen begleitet, egal wohin dies auch führen mag. Das legt keineswegs den Schluss nahe, dass man das Leben nicht zu kontrollieren vermöchte. Im Gegenteil. Kleins eigene Erfahrungen, wozu auch der Umstand gehört, eine unbefriedigende Profession hinter sich zu lassen um Künstlerin zu werden, bestimmen ihre Kompositionen. Das Leben bleibt immer in Bewegung, doch das ist eine pulsierende, atmende, flexible Bewegung.

Solche Empfindungen gehören selbstverständlich nicht nur in Krankenhäuser, wenn sie dort auch ganz besonders hilfreich sein können. Sie gehören überall hin, von morgens bis abends, ins Zuhause und überall sonst hin auf der Welt.

— Lori Waxman, 22. August 2012, 14.40 Uhr

 

It is not easy to sit in a hospital waiting room for a long time, unsure of diagnosis, full of discomfort. In difficult moments like these, artwork like the drawings and paintings of Marilu Klein can offer solace.

Klein calls her practice “Moving Art”. It is a fitting title, given the affirmative, soothing vitality that colors and forms her intuitive pictures. They come alive with vibrant shades of blue, green and red; they blur with smooth motion; they suggest organic life, as snail shells, feathers and long stalks of grass. In these pictures, life is a positive force, one to move with and alongside, wherever it may lead. That ought not to suggest that life is beyond one’s control. On the contrary, Klein’s own experience, which includes leaving behind an unsatisfying profession to become an artist, informs her compositions. Life is always in motion, but it is a pulsing, breathing, flexible motion.

Such sentiments do not only belong in hospitals, of course, though they can be profoundly helpful there. They belong everywhere, from morning to night, from home to everywhere out in the world.

—Lori Waxman 8/22/12 2:40 PM

Lesen Sie auch

Liste aller Kunstkritiken von Lori Waxmann

Rezensionen für jedermann: Lori Waxmans Kunstkritiken in der HNA

 

Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.