60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Michael R. Dyroff

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

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Was hat es mit Wasserfarben auf sich? Wasserfarben, die verrinnen und Flecken machen, wo eine Farbe sich mit den anderen vermischt und an den Übergängen dunkel sich vermengen? Eine einfach gehaltene Serie von Studien, die Michael R. Dyroff geschaffen hat, liefert genügend, mit solchen Farbmysterien tief getränkte, Blätter, um darauf einige mögliche Antworten zu geben. Dyroffs preziöse und intime Malerei legt keine Formen nahe, weder abstrakte noch andere, vielleicht mit Ausnahme einer schwachen Andeutung von Hitze, Licht, Luft und Wasser. (Erde fehlt hier paradoxerweise Weise, ist sie doch die mineralische Basis zahlreicher Pigmente.)

Das Medium selbst schien einmal lebendig gewesen zu sein, etwas, das sich eigenständig fortbewegt hat, mit oder ohne hilfreicher Unterstützung durch den Pinsel des Malers. Bei Ölfarbe, die Dyroff bei seinen Farberkundungen auch benutzt, ist das nicht so. In Wahrheit geht es bei seinem Projekt gar nicht um Wasserfarbe, sondern um Farbe, und diese untersucht er auf vielfältige Weise, wozu auch darstellende Formen gehören.

Doch die Wälder und Schädel und Figuren werden immer von den Farbtönen ablenken, von denen sie koloriert werden, wohingegen die Arbeiten mit Wasserfarben nur diese und nichts anderes behandeln. Wasserfarben, die dazu benutzt werden, Wasser und Farbe und nichts anderes zu repräsentieren, können eine intensive und unvermittelte Erfahrung dieser beiden Elemente bereithalten, die für unsere Welt von so entscheidender Bedeutung sind. Ohne Wasser können wir nicht leben, und tragisch wäre es, müssten wir ein Leben ohne Farbe führen.

— Lori Waxman, 25. August 2012, 15.16 Uhr

What is it about watercolor? Watercolor that bleeds and stains, running one color into the next, pooling darker at the edges? A modest series of studies by Michael R. Dyroff offers enough stunning pages of color-steeped mystery to propose some possible answers to these questions. Dyroff’s precious, intimate paintings suggest no forms, abstract or otherwise, except perhaps the faintest suggestion of heat, light, air and water. (Though not earth, paradoxically, given the mineral base of so many pigments.)

The medium appears to have once been alive, something that moved on its own, with and without the painter’s helpful brush. This is not so with oil, which Dyroff also uses in his exploration of color. In truth, his project is not about watercolor but about color, and he investigates it in various ways, including through representational forms.

But forests and skulls and figures will always distract from the hues that color them, whereas watercolor treated as just that and nothing else, watercolor used only to represent water and color, can offer an intense, unmediated experience of two of the most critical elements of our world. We could not live without water; it would be tragic to live without color.

—Lori Waxman 8/25/12 3:16 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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