60 Worte/Min. Kunstkritik - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Nadine Sobolewski

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Für gewöhnlich sind Bilder von Hunden süß. Die von Nadine Sobolewski sind es nicht. Für „9 Hunde“ hat die Künstlerin neun Fotografien von Hinterteilen von Hunden in einem makellosen Geviert arrangiert, die Schwänze sind immer oben, die Arschlöcher jeweils in der Mitte und der flauschige hintere Rest unten. Ihr perverser Sinn für Ordnung passt zum soziologisch-ästhetischen Jargon ihres Projekts, das auf gewisse Weise eine Studie zum Verhältnis von Anziehung und Abstoßung ist.

Jedes der Bilder wurde von Sobolewski mit einem anderen Parfum für Menschen versehen – von HUGO bis Davidoff –, und das verleitet die Betrachter dazu, ihre Nasen den intimsten Teilen der Hunde entgegenzurecken, wenn sie einen guten Geruchseindruck bekommen wollen. Menschen werden wie Hunde, schnüffeln an den Ärschen der anderen wie beim Paarungsritual oder um einfach mehr über die unbekannten Kreaturen herauszubekommen, welche die Bürgersteige bevölkern.

Die Kluft aber, die zwischen einem Hinterteil eines Hundes und dem Handgelenk oder dem Hals eines Menschen aufklafft, legt ein Experiment nahe, das sich mit der Fähigkeit von Düften beschäftigt, Dinge zu verändern. Macht eine blumige oder hölzern-würzige Duftnote den jeweiligen Träger attraktiver? Nur jene, welche die Chance hatten an Sobolewskis Hunden herumzuschnüffeln, können das wissen.

— Lori Waxman, 28. Juli 2012, 15.50 Uhr

Pictures of dogs are usually cute. Nadine Sobolewski’s are not. For “9 Hunde,” the artist arranged nine photographs of doggie behinds in a perfect square, tails on top, buttholes in the middle, fluffy rears on the bottom. Her perverse sense of order fits with the sociological-cum-aesthetic cant of the project, which in one sense is a study of attraction versus repulsion.

Sobolewski scented each photograph with a different human perfume, from HUGO to Davidoff, and thus enticed viewers to stick their faces right up close to the most private parts of a dog in order to get a good whiff. People became like dogs, smelling each other’s asses as a mating ritual, or just to find out more about the unfamiliar creature on the sidewalk. T

he gulf between a dog’s read end and a human being’s wrist or neck, however, suggests an experiment in the transformative ability of fragrance. Can a flowery or spicy musk render its wearer that much more appealing? Only those who had a chance to sniff Sobolewski’s dogs would know.

—Lori Waxman 7/28/12 3:50 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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