60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Pao /Ottmar Alfred Paul

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Ottmar Alfred Paul, der sein Werk mit dem Namen Pao versieht, ist ein Maler modernistischer Abstraktionen und ein Bildhauer, der realistische Akte, sowie primitivistische Figuren und biomorphe Formen produziert.

Im Jahr 2000 schuf er „A Piece from an Apple Tree“ [„Ein Stück aus einem Apfelbaum“]. Das ist eine sechzig Zentimeter hohe Form, die aus einem einzelnen Holzblock herausgeschnitten wurde. Ein überzeugendes und seltsames Stück, das den Anthropomorphismus auf Schritt und Tritt nahe legt und gleichzeitig wiederum widerlegt. Da es mit Kurven und Löchern übersät ist, sollte es sich wohl als etwas Organisches oder Geometrisches herausstellen, tut dies aber nicht. Anstelle dessen erinnert uns Paos Skulptur an eine Espressomaschine, ein Mikroskop, an einen Violinschlüssel. Sie ist maschinisch, ein Begriff, den man nur selten dazu benutzt, um moderne Formen zu beschreiben. Dennoch sollte man das viel öfter tun, in der Art wie der Begriff Biomorphismus für Isamo Noguchi gebraucht wird oder Konstruktivismus für Naum Gabo.

Schließlich idealisiert sich die Moderne selbst, und was wäre für sie logischer, als auch diejenigen Formen zu idealisieren, die in ihrem eigenen Zeitalter produziert und gepriesen wurden.

— Lori Waxman, 10. September 2012, 14.33 Uhr

Ottmar Alfred Paul, who signs his artwork with the single name Pao, is a painter of fiery, modernist abstractions and a sculptor of realistic nudes, primitavist figures and biomorphic shapes.

In 2000, he carved “A Piece from an Apple Tree,” a 60-cm-high form whittled from a single block of wood. It is a compellingly odd thing, suggesting and refuting anthropomorphism at every turn. Full of curves and holes, it ought to resolve organically or geometrically, but it does neither. Instead, Pao’s sculpture recalls an espresso machine, a microscope, a treble clef. It is machinic, a term rarely used to describe modernist forms, but which should be as common among them as Isamu Noguchi’s biomorphism or Naum Gabo’s constructivism.

Modernism, after all, idealizes itself, and what could be more logical for it to idealize than the forms produced and celebrated in its own era.

—Lori Waxman 9/10/12 2:33 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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