60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Ovidiu Murgociu

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Der Bauhaus Künstler Josef Albers schuf als sein Lebenswerk Gemälde von Quadraten in Quadraten. Sie wahren durchgängig monochrom und von Zeit zu Zeit fragt man sich ein bisschen ketzerisch, was wohl das Ergebnis gewesen wäre, hätte er einen etwas weniger puristischen Charakter besessen. Ovidiu Murgociu bietet mit seiner Mixed Media Arbeit eine Gelegenheit, sich ein solches Experiment vorzustellen.

Ein irisierendes blaues Quadrat befindet sich unten in der Mitte eines leuchtenden, orangefarbenen Vierecks. Gesprenkelte goldene Blätter transformieren das Blau und es wird zu einem Rahmen eines unergründlichen Gemäldes eines schattenhaften Fisches inmitten eines Meeres aus rot geränderten Blasen. Das fleckige, gestreifte Orange wird sodann selbst zum Rahmen, herum um das Gold, herum um den Fisch. Hier geht es um spielerische Geometrie, zwischen Rechtecken die zu Rahmen werden die zu Rechtecken werden, die wiederum zu Rahmen werden. Zwischen der perfekten Symmetrie von Quadraten, die in Rechtecke eingefügt sind und der perfekten Asymmetrie von Quadraten, die am Boden der Rechtecke ausruhen. Hier geht es auch um ein formales Spiel, denn die strukturierte monochrome Oberfläche gibt die gezahnte, golden leuchtende frei und hernach eine verträumte, mit vielfältigen Farbtönen versehene, Unterwasseroberfläche.

— Lori Waxman, 6. August 2012, 13.56 Uhr

The Bauhaus artist Josef Albers made a life’s work painting squares within squares. His were uniquely monochrome, however, and one wonders heretically once in a while what the results might have been if he’d been a little bit less of a purist. Ovidiu Murgociu offers an opportunity to envision this experiment in a mixed-media work on paper.

An iridescent blue square sits at the center bottom of a glaring orange rectangle. Mottled gold leaf transforms the blue, and it becomes the frame around a murky painting of a shadowy fish afloat amid a sea of red-rimmed bubbles. The speckled, streaky orange then becomes a frame itself, around the gold, around the fish. Geometric play happens here, between rectangles that become frames that become rectangles all over again; between the perfect symmetry of squares centered in rectangles and the perfect asymmetry of squares that rest at the bottom of rectangles. Formal play happens too, as textured monochromatic surface gives way to ridged gleaming golden one and then to dreamy, multihued underwater one.

—Lori Waxman 8/6/12 1:56 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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