60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Peter Mujakovic

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

In der Kunstgeschichte gibt es zahlreiche weibliche Akte. Nackte Frauendarstellungen, die auf männlichen Körpern basieren, Nackte, die mythologischen Figuren gleichen sollten, Nackte, die vor dem Hintergrund der Natur entworfen werden, um dem ganzheitlichen Leben zu huldigen, Nackte, die auf kubistische Weise in ihre Körperteile zerlegt werden. Auch Peter Mujakovic malt Nackte. Grazile Kreaturen, die lässigen Reiz ausstrahlen und sich in erzählerischen Situationen befinden, die dem Penthouse entliehen sind. Geht man von dem schwarzweißen Farbton aus, in dem diese Bilder gehalten sind und von der gewöhnlichen und natürlichen Form der Brüste, die zu sehen sind, waren das wohl Vintage-Ausgaben des Magazins. Abgesehen davon aber, sind weder die Kompositionen noch die hier sichtbar werdenden Frauen von besonderem Interesse und stellen keine Herausforderung dar.

Mujakovics Zeichnungen von Pferden und Jesus hingegen beweisen eine leidenschaftliche und souveräne Handschrift, den erfinderischen Einsatz von Pastellfarben und gewandte, einfühlsame Beobachtungsgabe. Skizziert in sensiblen Tönen zwischen Beige und Braun, scheint sein Jesus voller Kummer und erschöpft, sanfte Lippen, welche die Spuren von Schlägen aufweisen, unter einer brutalen Dornenkrone. Seine Pferde sind kühn hingeworfen, klar und ungebunden trotten sie keinesfalls herum, sondern sprengen wild vor ihren dunkler gehaltenen Papierhintergründen dahin. Das mögen nun Motive sein, die nicht so sexy wie nackte Frauen sind, doch stumpfe Einfallslosigkeit ist in der Tat ohnehin nicht besonders sexy. Was Mujakovic hier gefunden hat, sind geistvolle, erfinderische Darstellungsmöglichkeiten.

— Lori Waxman, 22. August 2012, 16.28 Uhr

 

The history of art is full of female nudes. Nudes based on male bodies, nudes painted to look like mythological figures, nudes sketched in nature as a paean to holistic living, nudes cubistically fractured. Peter Mujakovic paints nudes as well, svelte creatures of easy appeal set in narrative situations borrowed from Penthouse. Given the black and white tint of the canvases, and the modest size and natural shape of the displayed breasts, the magazines appear to have been vintage. Apart from that, neither the compositions nor the women manifest much challenge or interest.

Mujakovic’s drawings of horses and Jesus, however, reveal a passionate, confident hand, an inventive use of pastel and deft, empathetic observation. Drafted in sensitive shades of beige and brown, his Jesus is sorrowful and exhausted, bruised soft lips beneath a harsh crown of thorns. Sketched bold, bright and loose, his horses don’t trot, they run wildly across their dark paper grounds. These subjects may not be as sexy as naked women, but then, dullness isn’t really very sexy anyway. Spirited, inventive rendering is, and that’s what Mujakovic has found here.

—Lori Waxman 8/22/12 4:28 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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