60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Tim Pickartz und Stephan Hilpert

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

“Issue” is the name of a limited-edition artist magazine produced by Tim Pickartz and Stephan Hilpert. The name plays two ways, since each installment is both an issue and an issue about an issue. The fifth volume centers on “ZER//STOERUNG,” which means “destruction” and “interruption.” But the most compelling work in the magazine is not the art that represents this concept directly but rather that which pairs it with construction. Miriam Schröder juxtaposes photographs of World War II wreckage with current ones of bulldozers clearing some of that old wreckage to make way for new structures. Andrea Nolte reproduces iridescent X-rays of her skull, where a tumor was found and then successfully removed. Rebecca Schmied documents the deconstruction of a slouchy old armchair, resulting in a pile of junk, a bare bones chair, and some knowledge gained about the structure and materiality of a common piece of furniture. The knockout centerpiece by Lisa Grimm cuts a shape out of the page and tapes it back in, repositioned so that something new and unexpected emerges, hopefully but not always something stronger and even, dare I say, better.

—Lori Waxman 6/9/12 3:04 PM

„Issue“ [„Ausgabe / Thema“] nennt sich das limitiert aufgelegte Künstlermagazin, welches Tim Pickartz und Stephan Hilpert herausgeben. Der Name ist doppeldeutig, da jede Folgeausgabe zugleich Folge ist, aber ebenso eine Folge, die sich mit einem Thema beschäftigt. Die fünfte Ausgabe widmet sich der „ZER//STÖRUNG“, was sich zugleich auf „Vernichtung“ und „Unterbrechung“ bezieht. Die überzeugendsten Beiträge in diesem Magazin liefert allerdings weniger die Kunst, die ein solches Konzept unmittelbar umsetzt, sondern eher die, die mit dem Aufbau eines solchen zugange ist. Miriam Schröder stellt Fotografien von Trümmerhaufen des Zweiten Weltkriegs solchen von Heute gegenüber, die Planierraupen zeigen, welche alte Ruinen beseitigen um Platz für Neues zu schaffen. Andrea Nolte reproduziert irisierende Röntgenbilder ihres Schädels, in dem ein Tumor festgestellt und später erfolgreich entfernt wurde. Rebecca Schmied dokumentiert die Dekonstruktion eines abgenutzten Lehnstuhls, dessen Ergebnis ein Haufen Müll und ein blankes Sitzgestell ist, und dadurch erhalten wir ein wenig Einsicht in die Struktur und Materialität eines gewöhnlichen Möbelstücks. Das umwerfende Herzstück des ganzen stammt von Lisa Grimm, die ein Stück einer Seite des Magazins ausschneidet und wieder einklebt. Dadurch wird etwas auf eine Weise neu positioniert, und etwas Unerwartetes kann auftauchen; hoffentlich zuweilen – wenn auch nicht immer – etwas Stärkeres und ... ich wage es zu sagen ... Besseres.

— Lori Waxman, 9. Juni 2012, 15.04 Uhr 

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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