60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Roland Timming

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Roland Timmig schafft dichte, geometrische Bilder mit Wasserfarben, deren kompromisslose Gestaltung an Piet Mondrian und Peter Halley erinnert; durch eine verhalten feierlichen Palette erinnert das auch an Paul Klee; und es besitzt eine molekulare Struktur, die sich ganz allein ihm verdankt.

Für gewöhnlich werden Bilder, die mit Wasserfarben gemalt wurden, nicht mit derlei Begriffen beschrieben, doch die minuziösen, sich wiederholenden Markierungen, die Timmig anbringt und die seine Bilder ausmachen, verlangen nach einer solchen kunstwissenschaftlichen Terminologie.

Derartige Schichtung erfordert genauen und vorsichtigen Blick, um zu einem vollen Verständnis zu gelangen und das fällt bei seinen Tintenskizzen leichter. Dort sind es gesetzte Punkte und Schnörkel, die sich auf dem blanken Papier versammeln und beinahe alles formieren, angefangen bei der vorgeblichen Haarigkeit des handgeschöpften Papiers, das sich dem Gewirk eines schottengemusterten Gewebes verdankt, bis hin zu beinahe schattenhaften Umrissen eines Gesichts.

Die Geschichte des Bildermachens ist in der Tat eine Geschichte der Markierung, egal ob Landschaft oder Portrait oder abstrakter Malerei – darauf läuft es hinaus. Der Pointillismus hat uns das gelehrt. Der Impressionismus hat uns das gelehrt. Und auch Roland Timming lehrt uns das.

— Lori Waxman, 9. Juli 2012, 17.50 Uhr

Roland Timmig creates dense, geometric watercolor paintings whose hard-edged, interlocking shapes recall those of Piet Mondrian and Peter Halley; in a muted but festive palette reminiscent of Paul Klee; and with a molecular structure that is all his own.

Watercolor paintings aren’t usually discussed in such terms, but the minute, repetitive marks that Timmig uses to build up his pictures suggest such scientific terminology. This dense layering demands close, careful looking for full appreciation, and it is easier to recognize in his ink sketches. Here, pen dots and squiggles accumulate across blank paper to form just about anything, from the all-over hairiness of handmade paper to the weave of a tartan textile and even the shadowy lines of a face.

The history of picture making is really a history of mark-making, no matter the landscape, portrait or abstract painting that is the end result. Pointillism taught us this. Impressionism taught us this. And Roland Timmig teaches us this as well.

— Lori Waxman 7/9/12 5:50 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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