60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Rose Meissner

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Rose Meissner beteuert eine Malerin von Bildern zu sein, die keine besondere religiöse Bedeutung an den Tag legen. Ihre Gemälde sprechen jedoch eine andere Sprache.

In der Tat sind sie durchflutet von Gefühlen der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe, ganz genau so wie sie das beabsichtigt, doch sie neigen an der einen Stelle etwas zu Mondrian, anderswo wiederum zum Kubismus. Alles in allem darf man ihr Werk wohl am besten als sakralen Modernismus beschreiben. Eine Komposition, die den Titel „Trust“ [„Vertrauen“] trägt, zeigt eine Figur, die sich ruhig an eine andere, größere, anschmiegt. Ausgestaltet ist dies in rauschhaftem Ultramarinblau vor einem marmorierten Hintergrund aus schimmerndem Gold- und Rottönen, wodurch das Bild an traditionelle Ikonen erinnert, ohne jedoch über die ausgewählte Allüre der kleinen Form zu verfügen. „Messenger“ [„Bote“] zeigt eine

gesichtslose, triumphale Figur in der Mitte des Gemäldes, deren wallende und ausgestreckte Flügel den Rest der Leinwand erfüllen. Ein nur vage erkennbarer Heiligenschein ist in den dick aufgetragenen Farbhintergrund geätzt, der an einen Sonnenuntergang erinnert, und dies bestätigt die Gestalt als Engel, unabhängig von der Neutralität, die der Titel zu transportieren trachtet. Ein wahrer Bote stellt sich nicht in aller Stille ein.

— Lori Waxman, 10. September 2012, 16.42 Uhr

Rose Meissner professes to be a painter of pictures that have no particular religious bearing, but the canvases tell another story.

They are indeed as awash in feelings of hope, belief, reliance and love as she intends them to be, but with a nod to Mondrian here and to Cubism there, her work might best be described as ecclesiastical modernism. A composition whose title translates as “Trust” nestles one figure comfortably against a larger one. Traced in ecstatic shades of ultramarine blue against a mottled ground of shimmery golds and reds, the painting recalls traditional icons, though without the preciousness of that form’s small scale.

“Messenger” stands a featureless, triumphal figure at the center of a canvas filled with its flowing, outstretched wings. A vague halo etched into the thick, sunset-colored background confirms the angel’s identity, regardless of the title’s neutrality. A true messenger does not arrive quietly.

—Lori Waxman 9/10/12 4:42 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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