60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Sven Krolczik

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Sven Krolczik war früher figurativer Maler, der sich eines Stils bediente, den man oftmals als magischen Realismus bezeichnet. Heute ist er ein gegenstandsloser Maler.

Zwei Gemälde ohne Titel bestätigen das. Es sind darauf keine Formen zu erkennen, sondern Farben – Farben, die still sitzen, Farben, die sich bewegen, Farben, die sich miteinander vermengen, Farben, die sich behaupten, Farben, die sich in sich selbst zurückziehen und Farben, die den Blick erwidern. Anfangs scheint auch das magisch zu sein, doch denkt man weiter darüber nach, dann stellt es sich als gänzlich logisch heraus. Denn genau das ist es, was Farben tun, wenn ihnen der Maler die Gelegenheit dazu gibt sie selbst zu sein anstatt zu versuchen, sie als etwas erscheinen zu lassen, das der Maler darstellen möchte. Krolczik sieht die Notwendigkeit, Schwarz und Weiß häufig zu gebrauchen, genauso wie er mit Gesso grundierte Leinwände benutzt und mit Ölfarben malt.

Zusammengenommen stehen diese Faktoren für tautologische Abstraktionen – das sind Malereien, die ihre eigene Zeit und ihren eigenen Entstehungsprozess zur Schau stellen. Bilder, die sich selbst erklären.

— Lori Waxman, 10. September 2012, 17.40 Uhr

Sven Krolczik used to be a figurative painter in a style often referred to as magical realism. Today he is a non-objective painter.

Two untitled canvases bear this out. They contain not forms but colors—colors that sit still, colors that move, colors that merge with one another, colors that hold their own, colors that retreat into themselves and colors that gaze back. This seems at first to be magical, too, but upon further contemplation turns out to be utterly logical. That is indeed what colors do, given the chance by the painter to be themselves instead of trying to look like something that the painter wants to depict. Krolczik of necessity makes great use of black and white, as well as the canvas’s plain gessoed ground, and he paints in oil.

Together these factors make for tautological abstractions—paintings that reveal their own time and process, paintings that explain themselves.

—Lori Waxman 9/10/12 5:40 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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