60 Worte pro Minute - 60 WRD/MIN ART CRITIC

Lori Waxmans Kunstkritik: Willem Hamers

Die Chicagoer Kunstkritikerin Lori Waxman rezensiert auf der documenta 13 öffentlich Kunst von jedermann. Etablierte Künstler, Studierende, Hobbymaler - sie alle können nach vorheriger Terminabsprache Werke in Waxmans blauer Hütte an der Schönen Aussicht vorbeibringen.

60 Worte pro Minute Kunstkritik

60 WRD/MIN ART CRITIC

Die weltweite Verlagerung des Großteils der herstellenden Industrie von Nordamerika und Europa nach Südostasien im Laufe des letzten halben Jahrhunderts hat zu gewaltigen Entlassungswellen geführt und zu einem Neuüberdenken des Begriffs von Arbeit. Fabriken stehen leer und Maschinen still.

Eine solche Situation führt uns zu direkt zum Impetus von Willem Hamers Mixed Media Arbeiten auf Papier, die den Titel „Decline of Industrialisation“ tragen. Zurückhaltend, beinahe pretiös in ihrem Format, wirken die neunundvierzig Kollagen mit ihren quadratischen Formaten von eben einer dieser Maschinen mechanisch produziert, die nicht länger von einem Arbeiter bedient wird. Vor dem fotografischen Hintergrund einer endlos zerstörten Industrielandschaft, schafft Hamers Variationen aus Materialien wie Acrylbindemittel, Sand, Metallfolien und Filmfragmenten. Das Ergebnis ist eine weitere Ruinierung, jedoch eine, die auch Körper in ihrer jeweilig einzigartigen handgemachten Qualität betreffen.

Am bemerkenswertesten bei diesen Kollagen ist der Mangel an jedweder Romantik. Künstler und Bauunternehmer sehen in Industrieruinen potenzielle Lofts, Restaurants und Ateliers. Doch hier werden solche wohl nicht entstehen.

— Lori Waxman, 23. Juli 2012, 16.42 Uhr

The global relocation over the past half century of most manufacturing industries from North America and Europe to East Asia has resulted in massive layoffs and a rethinking of labor. It has also left factories empty and machines unused.

This situation forms the impetus for a series of mixed-media works on paper by Willem Hamers titled “Decline of Industrialization.” Modest, almost precious in scale, the forty-nine collages are as regular in their square size as something mechanically produced by one of these machines that no longer has a blue-collar person running it. Against the photographic backdrop of endlessly ruined industrial spaces, Hamers produces variations using materials such as acrylic binder, sand, foil and fragments of film. The effect is of further ruination, but one that implicates bodies in its unique, handmade quality.

Most notable, however, is the unromanticism of these collages. Artists and real-esate developers alike see industrial ruins as potential lofts and restaurants and ateliers. Those won’t be built here.

—Lori Waxman 7/23/12 4:42 PM

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Zur Person

Lori Waxman. Kontakt und Anmeldung zur Kunstkritik über die E-Mail: critic@60wrdmin.org

Lori Waxman (36, geboren in Montreal) ist freie Kritikerin unter anderem für die "Chicago Tribune" und "Art Forum". Sie lehrt am School of the Art Institute in Chicago. Sie hat in Montreal, Chicago, Lancaster und New York Kunstgeschichte studiert und an der New York University promoviert. Waxman hat auch Essays, Katalogbeiträge und Bücher veröffentlicht. Waxman ist verheiratet und Mutter einer zweieinhalbjährigen Tochter. (vbs)

Quelle: mydocumenta

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