Zehn Jahre nach der Schließung

Ehemaliges Restaurant Zum Ägypter:„Beuys zahlte für alle mit“

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Perfekter Gastgeber: Mahmoud El Ahl im Jahr 2003 bei einem Empfang in seinem Restaurant „Zum Ägypter“. 

Früher war das Restaurant "Zum Ägypter" ein beliebter Treffpunkt für documenta-Besucher und Künstler. Zehn Jahre nach der Schließung waren wir mit dem ehemaligen Betreiber Mahmoud El Ahl vor Ort.

Die Treppe neben dem Fridericianum führt noch genauso in den Untergrund wie damals, nur die Pyramide fehlt. Mit Mahmoud El Ahl, dem ehemaligen Wirt des beliebten Restaurants „Zum Ägypter“, haben wir uns an einem ungewöhnlichen Ausstellungsort der documenta verabredet. In den Gewölben unter dem Fridericianum werden während der 100 Tage der Kunstausstellung verschiedene Filme gezeigt.

Zurück an alter Wirkungsstätte: Mahmoud El Ahl hat 26 Jahre das Restaurant „Zum Ägypter“ am Friedrichsplatz betrieben. Heute sind die Räume documenta-Standort. 

Erster Besuch seit Jahren

Ende 2007 hat Mahmoud El Ahl zum letzten Mal die Tür des Restaurants abgeschlossen. Seitdem war er nicht mehr hier. Die Erinnerungen sprudeln nur so aus dem gebürtigen Ägypter, der das Lokal 26 Jahre betrieben hat. Gleich rechts neben dem Eingang habe es eine große Eckbank gegeben. „Das war der Lieblingsplatz von Joseph Beuys“, sagt El Ahl. Der wohl berühmteste documenta-Künstler sei oft in Begleitung von Mitarbeitern und Freunden bei ihm gewesen. „Die Rechnung hat immer Beuys übernommen“, erinnert sich der Wirt, der bis vor Kurzem auch das Schlosscafé betrieben hat. Beuys gehörte zu einer Vielzahl von Prominenten aus dem documenta-Umfeld, die sich regelmäßig beim Ägypter trafen. Auch Thomas Schütte, der unter anderem mit dem Kunstwerk „Die Fremden“ gleich nebenan auf dem Vordach von Sinn Leffers vertreten ist, der Plakatkünstler Klaus Staeck und der Fotograf Charles Wilp kamen immer wieder vorbei. Von Rudi Fuchs über Jan Hoet bis zu Catherine David hat El Ahl die documenta-Leiter bewirtet.

Alle Informationen zur documenta gibt es in unsere Themenspezial.

Rudi Fuchs kannte er aus dieser Runde am besten. „Der wohnte vor der documenta 7 an der Unteren Königsstraße direkt gegenüber von meinem ersten Restaurant“, sagt El Ahl. Bereits während der Vorbereitung der Kunstausstellung sei er immer wieder zum Essen vorbeigekommen.

Heute überwiegen bei Mahmoud El Ahl die positiven Erinnerungen an die Zeit im Restaurant „Zum Ägypter“. Ein wenig Wehmut schwingt allerdings auch mit, denn er hätte damals gern weiter gemacht. Vor zehn Jahren wurde der Vertrag mit der Begründung beendet, dass man die Räume für die Klimaanlage des Fridericianums und als Lagerfläche brauche.

Das Beduinenzelt, den Spiegelraum, die täuschend echt aussehenden künstlichen Palmen, die handgeknüpften Teppiche und nicht zuletzt die selbst gemalten Bilder seiner verstorbenen Frau hat Mahmoud El Ahl noch vor Augen. Ehe es die Treppe zum Friedrichsplatz wieder hinaufgeht, hält er noch einmal kurz an. „Hier an der Mauer hing die Speisekarte“, sagt er. Die hellen Umrisse des Schaukastens kann man noch erkennen.

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