Kabul, Kairo und Nationalpark Banff neben Kassel auch Ausstellungssorte

d13 : So viele Standorte wie noch nie - Liveticker zum Nachlesen

Kassel. Hunderte Journalisten und Kunstexperten sind am Mittwochnachmittag bei strömendem Regen nach der Pressekonferenz von der Stadthalle zu den Ausstellungsflächen der d13 ausgeschwärmt. Und das sind so viele wie noch nie.

Nicht nur in traditionellen documenta-Standorten wie dem Fridericianum und der Neuen Galerie, sondern an über 20 auf die Innenstadt verteilten Schauplätzen wird bis zum 16. September Kunst zu sehen sein. Dazu zählen Kaufhäuser ebenso wie das ehemalige Finanzamt an der Spohrstraße und die Handwerkskammer. So intensiv wie nie wird die Karlsaue als documenta-Standort benutzt.

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Die Liste der Teilnehmer umfasst Künstler und Künstlergruppen, aber auch Agrarwissenschaftler, Physiker und Sozialtheoretiker. Im Restaurant „Dschingis Khan“ am Auedamm wird eine „provisorische Schiftstellerklausur“ eingerichtet.

In den Kasseler Kinos Bali und Gloria beginnt ab sofort ein umfangreiches Filmprogramm. Auch Kabul - Mamiyan (Afghanistan), Alexandria - Kairo (Ägypten) und Banff (Kanada) hat die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev zu Standorten erklärt. Dort sollen in diesem Sommer Ausstellungen, Seminare und andere Forschungsveranstaltungen stattfinden.

Am Mittag hatte die d13-Chefin zur Eröffnungspressekonferenz in dei Stadthalle geladen. Zunächst war unklar, ob die bis zu 2700 Journalisten, Fotografen und Kameraleute Platz im Kongress Palais - Stadthalle finden würden, da der große Saal maximal 1750 Personen fasst. Doch es gab keine Platzprobleme. Für alle Eventualitäten war sogar noch ein weiterer Raum geöffnet worden, in den die Pressekonferenz per Video übertragen wurde.

 

 Der Liveticker:

13.35 Uhr: Die Konferenz wird geschlossen. Jetzt ist die Zeit , dass die Künstler sprechen und ich ruhig bin, sagt Bakargiev und hofft, dass alle Regenschirme haben.

13.30 Uhr: Noch zwei Fragen werden erlaubt. Die erste thematisiert die Balkenhol-Kontroverse. Bakargiev sagt, sie könne das nicht kommentieren, weil sie zu beschäftigt war, um die Schlagzeilen zu lesen. Zensur sei nicht geübt worden. Ich habe Balkenhol nie aufgefordert, die Skulptur zu entfernen. Ich habe auch nie gefordert, den Herkules zu entfernen, so Christov-Bakargiev.

Kurzclip: Eröffnungs-Pressekonferenz der documenta (13)

13.22 Uhr: Wie hat sie Künstler ausgesucht? Bakargiev benutzt nicht das Wort aussuchen, sondern Aggregate (ansammeln). Sie spricht von ihren Kassel-Erfahrungen. Sie berichtet von den verlassenen Industriestätten, die sie besonders beeindruckt hätten wie zum Beispiel das Hugenottenhaus und das Kaskadenkino. Sie spricht über Kassel auch als einen Ort mit viel Traurigkeit, aber auch mit fantastischen wissenschaftlichen Sammlungen. "Kassel repräsentiert für mich so viele unterschiedliche Dinge und historische Schichten", sagt sie. Sie nennt als Beispiel die Zeichnungen von Konrad Zuse. Oft komme Innovation von Künstlern.

13.20 Uhr: Ein französischer Journalist macht sich Sorgen um den Einfluss der neuen Medien und Sponsoren auf die d13, schließlich seien es kapitalistische Firmen, die dahinterstünden. Bakargiev sagt, dass sie selbst die von der Sparkasse gesponserte App nicht nutzt und dass man sie nicht braucht. Aber es gebe halt Leute, die das gut fänden.

13.17 Uhr: Es wird Kritik am Verhalten der documenta geübt, wie in Argentinien mit dem Meteoritenprojekt umgegangen wurde. Bakargiev reagiert gereizt und macht Journalisten an, weil er seine Frage vom iPhone abgelesen hat.

13.10 Uhr: Ein Journalist fragt nach dem Besucher-Ziel von einer Million. Ich bin sehr glücklich, wenn es wieder 750.000 werden, sagt sie. Das andere sei eine sportliche Frage, die sie nicht interessiere.

13.06 Uhr: Newsweek danke für die ambitionierte documenta. Der Journalistfragt nach ihrer These, dass Kunst verschwinden könne. Bakargiev darauf: Habe ich nie gesagt, das sei ein großes Missveständnis. Es geht darum, was wir als Kunst definieren, so die d13-Chefin. Bakargiev betont, dass ihre Ansichten nicht unbedingt für die Künstler der documenta stünden. Denn sie habe nicht die Welt bereist, um nur Künstler einzuladen, die ihrer Meinung seien.

13.04 Uhr: Ende des Vortrags. Beifall. Die Journalisten dürfen Fragen stellen.

13.00 Uhr: Als letzten Punkt thematisiert Bakargiev die documenta-Projekte in den Krisengebieten Afghanistan und Ägypten. Wie kann man vermeiden, dass Kunst in diesen Ländern instrumentalisiert wird? Aber, so fragt sie, kann das auch in Kassel passieren? Erneut lässt sie Seiten aus. Deutlicher Beifall und mürrische Zwischenrufe.

12.52 Uhr: Dann erörtert sie weiter: Im digitalen Zeitalter verfolgen uns die Geister der Vergangenheit wie niemals zuvor, sagt sie. Damit zu arbeiten, sieht Bakargiev als eine der Herausforderungen für Künstler. Dann lässt sie weitere Teile des Vortrags aus und unterbricht erneut wegen eines Handyklingelns im Saal. Bakargiev wechselt vom Begriff des Skeptizismus zur Gentechnik zum Web 2.0 und dem arabischen Frühling. In unserer Welt ist der Ausnahmezustand Dauerzustand, meint sie. Sie lässt immer mehr weg, redet schneller. Bakargievs enormes Sprechtempo provoziert die ersten Seufzer bei den Journalisten.

12.38 Uhr: Nun geht es um die Choreografie der d13: Sie soll unharmonisch und frenetisch sein, kein Gleichklang, sondern ein Zusammenspiel an verschiedenen Orten, das nie ganz synchron sein kann, so Christov-Bakargiev. Die documenta soll keine Ausstellung sein, die historische Gegebenheiten durch Kunst verarbeitet. Nicht nur die Kunst, auch viele Wissenschaften wie Biologie, Physik und die Poesie tragen zur d13 bei. d13 betreibe Forschung auf vielen Wissensfeldern.

Es soll kein übergeordnetes Konzept geben, deshalb werden die unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmer noch einmal betont. Der menschliche Geist und das menschliche Wissen sollen nicht über das Wissen anderer Daseinsformen gestellt werden.

Die Journalisten hören konzentriert zu. Dann Gelächter als Bakargiev ankündigt, welche Teile ihres Vortrags sie dem Publikum ersparen will. Ihre Reaktion:"Das hier ist ernst. Das ist documenta."

12.27 Uhr: Carolyn Christov-Bakargiev ergreift das Wort. Auf Englisch, weil ihr Deutsch nicht gut genug sei. Sie will nicht fotografiert werden während ihres Vortrags und schickt die Fotografen weg. Das könne im Anschluss gemacht werden. Erstmal dankt sie allen Beteiligten - den Sponsoren, Förderern, Künstlern, Helfern. Dann liest sie die Positionen und Thesen ab, die sie schon oft formuliert hat. Dann folgt schwierige Lektüre auf Englisch: Der Vortrag dreht sich um die Rolle der Kunst. Sie hatte einen Meteoriten aus Argentinien nach Kassel bringen wollen, sagt die D13-Chefin. Laut der künstlerischen Leiterin wird Kunst von Gegensätzen geprägt. Von dem, was sie ist und von dem, was sie nicht ist.

12.18 Uhr: Bertram Hilgen spricht jetzt. Er weist darauf hin, dass so viele Werke wie noch nie zuvor auf die Stadt Kassel und ihre Geschichte bezogen sind. Documenta 13 soll im Zeichen von Gastfreunschaft stehen. Besonders am Weinberg und in der Aue sind spannende Dinge entstanden. Wunderbar sei die Idee, das normale Kasseler die Besucher durch die Ausstellung führen. Das zeige die Verbundenheit der documenta mit der Stadt. Kassel sei eine Stadt der kreativen Künste. Daher gebe es auch ein umfangreiches Kulturprogramm, das den Sommer besonders schön machen werde.

12.15 Uhr: Die Ausstellung öffnet für die Medienvertreter um 14 Uhr. Vorher Rausschleichen lohnt also nicht. Bernd Leifeld spricht: "Die Kunst hat nun das Wort. Wir freuen uns über das Interesse, an dem, was in den letzten Jahren entstanden ist. Ich freue mich auf einen spannenden Sommer. Willkommen."

12.13 Uhr: Frau Gallus (Pressesprecherin) begrüßt die Anwesenden. Fragen sind an vier Mikros im Saal möglich. Anschlussfragen sind wegen der Anzahl der Pressevertreter nicht möglich.

12.11 Uhr: Liveperformance von einer Künstlerin, die sich auf der Bühne die Nägel abkaut. Absolute Ruhe jetzt im Saal. Alle gucken, schreiben, filmen. Durch ein Mikro ist deutlich zu hören, wie die Frau an ihren Nägeln kaut. Sie geht. Applaus. Dafür kommen jetzt die Hauptakteure.

Fotos: Medienrummel in der Kasseler Stadthalle

documenta-Pressekonferenz in der Kasseler Stadthalle

12.10 Uhr: Die Türen des Saals sind jetzt geschlossen. Es kann gleich losgehen. Auf der Empore sitzen mittlerweile auch viele Journalisten. Da sind aber auch noch einige Plätze frei.

12.04 Uhr: Auf dem Podium hat auch d11-Leiter Okwui Enwezor Platz genommen. Die Spannung steigt. Vereinzelt hört man schon Äußerungen, dass es jetzt losgehen soll. Allerdings kommen immer noch Journalisten in den Saal.

12.00 Uhr: Das Podium ist noch leer. Davor haben sich zahlreiche Fotografen postiert, die alle auf den ersten Schuss warten, wenn die PK los geht.

11.57 Uhr: Im Saal wird es jetzt langsam richtig voll. 30 bis 40 Kamerateams sind vor Ort. Es herrscht großer, aber nicht übermäßiger Andrang.

11.55 Uhr: Im Eingangsbereich akkreditieren sich noch zahlreiche Kollegen aus aller Welt. Andere versorgen sich mit Kaffee und Säften.

11.50 Uhr: Man hört alle möglichen Sprachen. Die Stimmung ist locker, viele Gespräche nach dem Motto: Was wird alles kommen? Hast du schon was gesehen?

11.45 Uhr: Der Saal füllt sich. Aber kein Chaos. Viele Fotografen und Kamerateams. Der erste Mikrotest ist gemacht.

11.15 Uhr: Die Weltkunstschau documenta wird dieses Jahr nicht nur in Kassel stattfinden. Es wird drei Außenstandorte geben: die afghanische Hauptstadt Kabul, Kairo in Ägypten und der kanadische Nationalpark Banff (Alberta) - „phänomenale Räumlichkeiten, an denen die documenta (13) physisch und konzeptuell verortet ist“, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Geplant sind unter anderem Seminare und Vorlesungen, in Kabul soll es auch eine Ausstellung und ein Filmprogramm geben. Auch innerhalb Kassels wurde das documenta-Gelände so ausgeweitet wie nie zuvor. Neben Museumsräumen und einem Park wird Kunst an vielen neuen, alltäglichen Orten zu sehen sein.

10.00 Uhr: Wie wir soeben erfahren haben, wird in der Stadthalle nicht genug Platz für die erwarteten Medienvertreter sein. Der Einlass ist für 11:30 Uhr geplant.

9.20 Uhr: Kollegen, die  Bücher mit Karte bezahlen wollten, wurden zur Buchhandlung am Friedrichsplatz geschickt, weil nur dort Kartenzahlung akzeptiert wird. 

9.15 Uhr: Am Bücherstand gab es Verzögerungen, weil die vier Leute an der Kasse den Ablauf der Bezahlung nicht geübt hatten.

9.10 Uhr: Die eigentliche Akkreditierung läuft völlig glatt.

9.00 Uhr: Die Akkreditierung der Journalisten begann um 9 Uhr. In der Englisch-Version einer Info-Mail stand hingegen 8:00 Uhr. Viele Vertreter der Presse waren daher schon früher vor Ort und mussten warten oder später wiederkommen. (W.F./vbs/mak/tat)

Fotos: Erste Eindrücke von der Kunst auf der d13

Erste Eindrücke: Kunstwerke der documenta 13

Weitere Bilder und Videos im Laufe des Tages an dieser Stelle.

Quelle: mydocumenta

Rubriklistenbild: © Fischer/HNA

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