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Antisemitismus-Experte Mendel kann sich Verhalten der documenta nicht erklären

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Von: Matthias Lohr

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Sollte die documenta beraten: Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank.
Sollte die documenta beraten: Meron Mendel, Direktor der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank. © Fischer, Andreas

Der Antisemitismus-Experte Meron Mendel sollte die documenta beraten, wurde aber von ihr hingehalten. Nun hat er hingeschmissen. Die documenta habe seine Hilfe nicht gewollt.

Nach dem Eklat um antisemitische Kunst auf der documenta sollte Meron Mendel die Kunstschau beraten. Nun hat sich der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank zurückgezogen.

Herr Mendel, wie kam es dazu, dass Sie sich als Berater der documenta zurückgezogen haben?

Ich habe der documenta meine Unterstützung zugesagt, aber ich kann nur helfen, wenn man meine Hilfe auch will. Mehrmals habe ich die Generaldirektorin Sabine Schormann und ihre Mitarbeiterin angeschrieben, um zu erfahren, wann wir mit der Begutachtung von Kunstwerken beginnen können. Erst gab es gar keine Antworten. Als diese Woche eine schriftliche Nachricht kam, blieb alles sehr diffus. Es gibt keinen Zeitplan. Auch wie sich die documenta meine Aufgabe genau vorstellt, blieb unklar. Ich habe kein einziges Kunstwerk begutachten können. Daher muss ich einsehen: Es bringt nichts.

Will die documenta die Aufarbeitung nicht oder kann sie nicht?

Diese Frage stelle ich mir auch ständig. Es war mir ganz wichtig, den Kontakt zu Ruangrupa zu suchen. Ich wollte ihr Vertrauen gewinnen, denn ich verstehe mich nicht als Zensurbehörde. Zweieinhalb Wochen habe ich die documenta-Leitung vergeblich um einen Kontakt gebeten. Man hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, dass Ruangrupa zur Antisemitismus-Diskussion im UK 14 eingeladen werden. Es hieß, sie seien traumatisiert. Wir haben darauf bestanden und hätten sonst die Veranstaltung platzen lassen. Ich kann mir das alles nicht erklären.

Haben Sie mittlerweile mit Ruangrupa gesprochen?

Ja, aber nicht mit Hilfe der documenta-Leitung. Den Kontakt von Farid Rakun musste ich mir über Freunde organisieren. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie sich versperren. Aber sie haben Angst, dass ihnen Zensur auferlegt wird und sie Künstler, die sie eingeladen haben, nach Hause schicken müssen. Dabei habe ich mich nicht als Zensurbehörde verstanden. Sie wussten nicht, was meine Rolle ist. Das hatte ihnen niemand gesagt.

Wie könnte es nun für die documenta weitergehen?

Ich hoffe, dass Frau Schormann einen Plan für die Aufarbeitung hat, aber ich befürchte, ihn gibt es nicht. Es gibt eine Verzögerungstaktik. Offensichtlich ist man auch überfordert. Es braucht aber einen Dialog. Denn die pauschalen Vorwürfe gegen die Künstler, die viele äußern, sind falsch. (Matthias Lohr)

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