Misstöne auf dem Weinberg: Gartenamtsleiterin kritisiert documenta

Dunkle Wolken über dem Weinberg: Die Freude über die Kunst ist bei den Mitarbeitern des Umwelt- und Gartenamtes inzwischen getrübt. Foto: Koch

kassel. Nach der Euphorie herrscht Katerstimmung: Regula Ohlmeier, Gartenamtsleiterin und Vorsitzende des Weinberg-Vereins, ist nicht gut auf die documenta zu sprechen. Sie spricht von einem ruppigen Umgangston gegenüber ihren Mitarbeitern, die für die Pflege des Weinbergs sorgen.

D13-Künstler Àdrian Villar Rojas, dessen monumentale Betonskulpturen auf den Weinbergterrassen zu sehen sind, stellt sie ebenfalls kein gutes Zeugnis aus: Er agiere selbstherrlich. Die Kommunikation mit ihm habe sich zuletzt als schwierig erwiesen. Man könne ihm nichts recht machen.

Um die Weinbergterrassen für die vielen Kunstfreunde überhaupt verkehrssicher zu machen, hatte Ohlmeier im Vorfeld der documenta mit viel Enthusiasmus 22 Sponsoren aus der Region gewonnen, die sich ehrenamtlich engagierten und bauliche Leistungen zur Erschließung und Verkehrssicherheit übernahmen. Geschätzter Wert dieser Arbeit: 180 000 bis 200 000 Euro, die sonst die Stadt hätte aufbringen müssen.

Für die documenta GmbH sei der ehrenamtliche Einsatz für den Weinberg anscheinend selbstverständlich gewesen, sagt Ohlmeier. An eine Anerkennung, etwa in Form einer kostenlosen, kurzen Führung über die d13, habe bis heute niemand gedacht. „Dabei hätte der junge Künstler ohne die Sponsoren den Weinberg nicht bespielen können.“ Den versprochenen Dank an die Hartz-IV-Empfänger, die am Weinberg im Einsatz waren, sei der Künstler bis heute schuldig geblieben.

Die Leiterin des Umwelt- und Gartenamts hat sich auch über eine Fehlinformation der documenta GmbH geärgert, die ohne Rücksprache mit ihr an die Öffentlichkeit gegeben worden sei. Danach sollten Sicherungsarbeiten des Umwelt- und Gartenamtes Grund für die Sperrung des Weinbergs am Dienstag und Mittwoch dieser Woche gewesen sein. Tatsächlich waren die Terrassen aber wegen Restaurierungsarbeiten an den documenta-Skulpturen und Filmaufnahmen gesperrt, die auf Wunsch des Künstlers stattfanden. „Da waren wir enorm verstimmt“, sagt Ohlmeier.

Die documenta GmbH spricht von einem internen Missverständnis, das zu der Fehlinformation geführt habe. Ansonsten sieht sie sich zu Unrecht in der Kritik. Die Weinberg-Sponsoren habe man bereits vor Beginn der documenta zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen, das wohl aus Termingründen oder mangelndem Interesse leider nicht zustande gekommen sei. „Wir sind aber jederzeit bereit, das noch einmal anzubieten“, sagt Lena Pralle vom documenta-Pressebüro. Archivfoto: Schoelzchen/nh

Von Ellen Schwaab

Quelle: mydocumenta

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