"Liquidität derzeit nicht gefährdet"

documenta-Geschäftsführerin Kulenkampff schrieb an Mitarbeiter

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Hat sich gegenüber den Mitarbeitern zu Wort gemeldet: Annette Kulenkampff, die Geschäftsführerin der documenta. 

Kassel. Nach den finanziellen Turbulenzen um die documenta hat sich mit Annette Kulenkampff die Geschäftsführerin zu Wort gemeldet. Aber nicht gegenüber den Medien, sondern gegenüber den Mitarbeitern.

Im Folgenden dokumentieren wir das Schreiben vom 13. September und unterziehen es einem Faktencheck. Die Passagen des Briefes sind kursiv.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

aufgrund der heutigen Berichterstattung der lokalen Tageszeitung Hessisch Niedersächsische Allgemeine möchte ich mich an Sie wenden.

Hinsichtlich der Finanzierung der documenta und Museum Fridericianum gGmbH bzw. deren Liquidität möchte ich Sie wissen lassen, dass es kein Grund zur Sorge gibt. Die Liquidität der Gesellschaft ist nach wie vor unverändert gut und nicht gefährdet.

Faktencheck: 

Richtig ist, dass die Liquidität derzeit nicht gefährdet ist. Das hat aber damit zu tun, dass das Land Hessen und die Stadt Kassel kurzfristig je 3,5 Millionen Euro an Bürgschaften übernommen haben, um den Betrieb der documenta zu sichern.

Deshalb lässt sich nicht sagen, dass die Liquidität „nach wie vor unverändert gut“ ist. Im Gegenteil: Ende August drohte die finanzielle Lage zu eskalieren, was auch damit zu tun hat, dass Kulenkampff und Frank Petri, der Prokurist der documenta gGmbH, sehr spät den Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle über die Situation in Kenntnis gesetzt haben.

Der Verlauf: Am 24. August wird dem Oberbürgermeister mündlich über ein Defizit berichtet, das zu dieser Zeit schon 5,5 Millionen Euro beträgt. Ein Liquiditätsplan liegt zu dieser Zeit nicht vor. Geselle verlangt ihn umgehend. Erst am 28. August werden dem Aufsichtsratsvorsitzenden erstmals schriftlich Zahlen vorgelegt. Die finanzielle Lage ist dramatisch, das Defizit der documenta beträgt mittlerweile sieben Millionen Euro. Zwei Tage später wird auf einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats der Rettungsplan beschlossen, ohne den die documenta gGmbH nicht zukunftsfähig gewesen wäre.

Nur mit Hilfe dieses Rettungsplans kann der Betrieb der Kunstausstellung aufrechterhalten werden. Im Umkehrschluss heißt das: Die documenta GmbH war kurz davor, keine Gehälter mehr zahlen zu können.

Das Schreiben in voller Länge liegt uns vor.

Die Berichterstattung der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen ist irreführend und auch fehlerhaft.

Faktencheck: 

Unsere Zeitung berichtete erstmals am 12. September 2017 über die finanzielle Not der documenta. Kernaussage: Es liegt ein Defizit von sieben Millionen Euro vor, Stadt und Land haben eine Bürgschaft übernommen. Diese Fakten wurden am nächsten Tag vom Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle offiziell bestätigt. Auch das Land als Gesellschafter äußerte sich entsprechend. 

Auch in der Stellungnahme des künstlerischen Leiters Adam Szymczyk und des Kuratorenteams von Donnerstag gibt es keine Gegenrede in Bezug auf diese Fakten. Insofern kann Kulenkampff diese Einzelheiten nicht gemeint haben, wenn sie von einer irreführenden und fehlerhaften Berichterstattung schreibt. Da sie nicht konkreter wird, bleibt sie Erklärungen für ihre Aussage schuldig.

Zu diesem Thema gab es keinerlei Kontaktaufnahme der HNA zu uns und für uns somit keine Möglichkeit, diesen Behauptungen zu widersprechen.

Faktencheck: 

Es ist richtig, dass der künstlerische Leiter Adam Szymczyk und Geschäftsführerin Annette Kulenkampff für die Erstberichterstattung am 12. September nicht für eine Stellungnahme angefragt wurden. Die Informationen, auf denen der Bericht beruhte, waren allerdings durch zwei vertrauenswürdige Quellen aus dem Umfeld der documenta abgesichert. Selbstverständlich haben wir in der Folge – am 13. September – um eine Stellungnahme bei der Pressestelle der documenta gebeten. Diese wurde zunächst auch angekündigt, am Mittwochmorgen jedoch hieß es, dass sich die documenta nach Rücksprache mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Geselle nicht äußern werde.

Das Schreiben Kulenkampffs an die Mitarbeiter endet schließlich mit freundlichen Grüßen.

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