Die documenta 13 hat eine Veranstaltungsreihe mit Künstleraustausch in Kairo und Alexandria organisiert

Nachdenken über das Träumen

Ein Stück Ägypten in Kassel: Pyramidensockel von Renata Lucas im Untergeschoss der Galeria Kaufhof. Foto: Fischer

Jeder Mensch schläft und träumt. Schlaf gehört zum Leben wie Atmen, und jeder Menschträumt, ob er sich daran erinnert oder nicht. Doch warum Schlafen etwas mit Kunst zu tun haben könnte, erschließt sich für den Laien vielleicht nicht auf Anhieb. In Alexandria kamen jetzt Künstler, Autoren, Philosophen, Psychoanalytiker, Kunsthistoriker und -kritiker zusammen, um aus verschiedenen Perspektiven über das Phänomen des Träumens zu diskutieren.

Das Seminar wurde von Carolyn Christov-Bakargiev, künstlerische Leiterin der documenta, und Sarah Rifky, Direktorin von CIRCA (Cairo International Resource Center for Art) konzipiert. Es bestand aus einer Veranstaltungsreihe und einem Austausch zwischen Kassel und Alexandria als Teil der d13. Das Studienprogramm hat die d13 zusammen mit MASS Alexandria veranstaltet, einer Kunstschule, gegründet von dem ägyptischen Künstler Wael Shawky, dessen „Cabaret Crusades“ derzeit in Kassel zu sehen sind. Neun Studenten nahmen in Kassel einen Monat lang an den Vorbereitungen der documenta teil.

Wael Shawky zeigte in Alexandria eine Videoarbeit aus dem Jahr 2005. „The Cave“ entstand in einem Supermarkt in Amsterdam. Während des 15-minütigen Clips sieht man Shawky durch die Gänge des Marktes laufen und eine Sure aus dem Koran rezitieren. „Ich habe vier Tage geprobt, bis ich die Sure ohne Fehler aufsagen konnte“, sagt Shawky. Wie alle Beiträge in dieser Woche dreht sich auch in Shawkys Film alles um das Thema Schlaf. Die Sure erzählt von sieben Männern, die 309 Jahre in einer Höhle schliefen. Schlaf wird zu psychischer Immigration. Andere, wie der britische Schriftsteller Kodwo Eshun, stellen sich die Traumphase als einen Arbeitsplatz vor: „Mein Alptraum ist, dass Firmen an einem Gerät arbeiten, der das möglich macht.“ Gedankenspiele wie dieses bestimmten die Diskussionen.

Das Seminar stand dann nur geladenen Gästen offen. „Mir war es wichtig, dass es ein geschlossenes Programm ist“, sagt Carolyn Christov-Bakargiev. Für die künstlerische Leiterin, die an der Veranstaltung in Alexandria teilnahm, ging es um das gemeinsame Denken und Arbeiten in der Gruppe. So würde Gedankenaustausch gefördert. Doch Hassan Khan, ägyptischer d13-Künstler, kritisierte, dass das Seminar hinter geschlossenen Türen stattfand.

Wael Shawky lag besonders das Studienprogramm am Herzen. „Es war wichtig, den Studenten diese Möglichkeit zu geben. Sie können nicht verstehen, wo sie herkommen, wenn sie von dort nicht weggehen.“ Eine Chance, wie es sie im Leben eines jungen Studenten in Alexandria wohl kein zweites Mal geben wird.

Aus Kairo berichtet Amira El Ahl

Quelle: mydocumenta

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