Schwebekunst am Kran

"Ich dachte, das wäre viel riesiger": Eine Reportage vom Aufbau des Marmorzeltes

Kassel. Seit Mittwoch ist Kassel für die Dauer der documenta um ein Außenkunstwerk reicher: Das Marmorzelt aus Athen wurde nahe der Grimmwelt aufgestellt. Eine Reportage der Ankunft.

Manche Dinge werden in der Vorstellung größer. Als gestern gegen 8 Uhr früh ein (unter dem Gewicht seiner Ladung ziemlich nach vorn gebeugter) Lkw am Weinberg vorfuhr, ging erstmal ein erstauntes Murmeln durch die versammelten Zuschauer: „Ich dachte, das wäre viel riesiger.“

Bei diesem Etwas handelte es sich um eine mannshohe Transportkiste aus Holz, in der das Marmorzelt von Rebecca Belmore den Weg aus Athen zurückgelegt und nun schon eine Woche in Kassel ausgeharrt hatte. Die Skulptur, tatsächlich nicht größer als ein herkömmliches Zwei-Personen-Zelt, wurde gestern nach wetterbedingter Verzögerung endlich auf ihren Kasseler Standort gehievt.

Da das Kunst-Zelt mit seinen drei Tonnen Gewicht deutlich schwerer ist als handelsübliche Campingausrüstung, war zum Überwinden der 35 Meter von der Straße bis zum zugedachten Platz auf dem Rasen ein Kran nötig. An diesem schwebte die Skulptur auf einen Sockel aus Mörtel und Schotter, der das Zelt auf der abschüssigen Fläche gerade hält.

Erste Station der Reise: das Zelt im Mai auf dem Filoppapos-Hügel in Athen mit Blick auf die Akropolis. 

„Wir haben uns gegen ein Fundament entschieden, weil das Zelt schon aufgrund seines Gewichtes stabil steht“, sagte die Kuratorin Candice Hopkins, die Rebecca Belmores Arbeit betreut. „Außerdem war es der Künstlerin wichtig, dass wir den Boden nicht beschädigen. Das Zelt soll wieder verschwinden können, ohne Spuren zu hinterlassen.“

Hopkins betonte, dass die Reise von Athen nach Kassel von Anfang an zum Konzept der kanadischen Künstlerin gehörte. „Es zeichnet den Weg der Flüchtlinge nach, die von Süden nach Norden reisen“, sagte sie. „Nach der Ausstellung wird es in Kanada sein Zuhause finden.“

Für die zukünftigen Besucher unsichtbar hat in Kassel auch eine symbolische Vereinigung zweier documenta14-Künstler stattgefunden. Bevor das Zelt auf den Sockel gesetzt wurde, verstreute Candice Hopkins dort ein weißes Pulver, bei dem es sich um Farbpigmente aus Australien handelt. Der Künstler Daniel Harding hat damit seine Wandbilder im Ottoneum gemalt und wollte die Reste in Kassel verstreut wissen.

„Daniel hat mich gebeten, einen würdigen Platz zu finden“, sagte d14-Kuratorin Candice Hopkins, die Kassel gleich nach dem Zeltaufbau für einen Monat Richtung USA verließ. „Ich glaube, er wird mit dieser Wahl sehr glücklich sein.“

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Marmorzelt auf dem Weinberg aufgestellt

Rubriklistenbild: © Hedler

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