Performance vom 24. bis 26. August im Fridericianum

OB Geselle zu Auschwitz-Aktion der documenta: "Ungeheuerliche Provokation"

Kassel. Die in dieser Woche geplante Kunstaktion „Auschwitz auf dem Strand“ bezeichnet Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) als „ungeheuerliche Provokation“.

Der Vergleich des tragischen Schicksals vieler Flüchtlinge am Mittelmeer mit dem Konzentrationslager Auschwitz und der Judenverfolgung sei äußerst geschmacklos und für die Betroffenen verletzend und unerträglich.

Christian Geselle

Gleichwohl sehe er die fragwürdige Aktion von der Kunstfreiheit gedeckt. Stadt, Verwaltung und Politik dürften sich in die Kunstfreiheit nicht einmischen, sagte Geselle, der Kraft Amtes auch Aufsichtsratsvorsitzender der documenta ist. „Das muss die Demokratie leider aushalten an dieser Stelle“, so der Oberbürgermeister, der seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Kassel erklärt.

Auch als Jurist sehe er, wie bereits die Staatsanwaltschaft Kassel, keine rechtliche Handhabe, um die vom 24. bis 26. August geplante Kunstaktion zu unterbinden. Die Staatsanwaltschaft sah keine Möglichkeit, ein Strafermittlungsverfahren zu eröffnen. Das Hessische Sicherheit- und Ordnungsgesetz könne hier ebenfalls nicht herangezogen werden, da keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit erkennbar sei.

Auch inhaltlich könne er die Kritik der documenta-Künstler Franco „Bifo“ Berardi, Fabio Stefano Berardi und Dim Sampaio an der Migrationspolitik mit Blick auf die Stadt Kassel nicht nachvollziehen, so der Oberbürgermeister. Denn Kassel sei die Flüchtlingspolitik gut gelungen. Die Stadt und viele ihrer Bürger hätten die Flüchtlinge herzlich und helfend aufgenommen, „und die Integration bleibt eine unserer wichtigsten Aufgaben für die Zukunft“.

Die geplante Performance „Auschwitz on the beach“ hat bei vielen Menschen für Empörung gesorgt, weil die Künstler behaupten, die Europäer errichteten Konzentrationslager auf ihren eigenen Territorien und (so wörtlich) „bezahlen ihre Gauleiter in der Türkei, Libyen und Ägypten dafür, die Drecksarbeit entlang der Küsten des Mittelmeeres zu erledigen, wo Salzwasser mittlerweile das Zyklon B ersetzt hat.“

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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