Hauptanlieger wurde überrascht

Obelisk auf dem Königsplatz: City Point wusste von nichts

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Etwa so hoch wird das Kunstwerk: Unsere Fotomontage gibt einen Eindruck der Dimensionen, hat aber nichts mit dem tatsächlich entstehenden documenta-Obelisken gemein. Auch der Standort auf dem Platz stimmt nicht. Um unsere Fotomontage ganz zu sehen, klicken Sie bitte oben rechts.

Kassel. Das Einkaufszentrum City Point, mit Abstand größter geschäftlicher Anlieger am Königsplatz, wurde nach eigenen Angaben völlig überrascht von den Planungen der documenta, nahe dem Haupteingang der Galerie eine Baustelle für ein 16 Meter hohes Säulen-Kunstwerk zu errichten.

Bis zum späten Montagnachmittag wusste das Centermanagement nichts von dem Bauprojekt, das in den nächsten Tagen beginnen soll und absehbarerweise merkliche Auswirkungen auf den Betrieb im City Point haben wird.

„Es ist nicht schön, dass wir nicht vorher informiert worden sind“, sagte City-Point-Manager Martin Wimberger, der am Dienstag nach einer Woche Urlaub wieder im Dienst war. Seine Schilderung der Kommunikation durch die documenta ergibt folgendes Bild:

Nachdem die HNA am Montag Recherchen wegen des geplanten Kunstwerks aufgenommen, sich bei Anrainern erkundigt und Anfragen an die Stadt und die documenta gerichtet hatte, meldete sich am späten Nachmittag jemand von der documenta bei Marcus Bohlken, dem technischen Leiter des City Points: Im Interesse einer guten Nachbarschaft wolle die documenta 2017 informieren, dass in Kürze der Baubetrieb vor dem Haus beginnen werde.

Anscheinend sollte die Leitung des Einkaufszentrums dies nicht anderntags aus der Zeitung erfahren. In der Pressemitteilung von Stadt und documenta, die etwa zeitgleich bei der HNA einging, hieß es: „Die Anlieger wurden vorsorglich informiert.“

Inzwischen sind nähere Details zu dem geplanten Kunstwerk durchgesickert. Der Obelisk soll 16 Meter hoch mit einer Seitenlänge von je drei Metern werden und auf dem nördlichen Platzbereich zum City Point hin relativ nahe an den Straßenbahngleisen errichtet werden. Offenbar wird die Konstruktion an Ort und Stelle Stück für Stück aufgebaut.

Der Aufstellort selbst sei aus Sicht des City Points kein Problem, sagte Martin Wimberger: „Wir finden die documenta ja super“, betont er. Mit Einschränkungen rechne die Einkaufsgalerie indessen durch den geplanten, gut 20 mal 20 Meter großen Arbeitsbereich der Kunst-Bauarbeiter, der genau in der Achse zwischen Straßenbahnhaltestelle und City-Point-Haupteingang eingerichtet werden soll. „Das wird doch vermutlich eingezäunt und verkleidet, und vielleicht wird auch ein Kran benötigt.“

In dem Einkaufszentrum gibt es etwa 70 Geschäfte und 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Im Schnitt kommen täglich etwa 33 000 Besucher ins Haus. Wenn da der Hauptzugang eingeschränkt werde, „dann hat das immer Auswirkungen auf den Betrieb“, sagt Wimberger. Er hätte es begrüßt, bei den Planungen für die Kunst-Baustelle vor der Tür seines Hauses zumindest konsultiert zu werden.

Bisher sei bei allen Veranstaltungen und Bauprojekten auf dem Königsplatz darauf geachtet worden, dass der Bereich vor dem Eingang und dessen optische Veränderung frei bleiben. „Hier arbeiten wir ausgesprochen gut mit Kassel Marketing zusammen, die damit sehr viel Erfahrung haben“, sagt Wimberger. In die Planungen der documenta für den Königsplatz sei dies aber offenbar „leider überhaupt nicht eingeflossen“.

Vonseiten der documenta, so meint der City-Point-Manager, wäre zu den Planungen für das Großkunstwerk „eine bessere Kommunikation möglich gewesen – auch ohne, dass man im Vorfeld Näheres hätte verraten müssen.“ 

Die documenta 14 beginnt am 10. Juni 2017 in Kassel. In Athen startet die documenta bereits am 8. April 2017. Der Leiter der documenta 2017 ist Adam Szymczyk. 

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