16 Meter hohes Kunstwerk auf dem Königsplatz

Obelisk für documenta 14 aufgebaut: „Der hält bestimmt 500 Jahre“

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Zusammengesetzt: Der Obelisk auf dem Königsplatz ist 16,20 Meter hoch. Ursprünglich hätte er doppelt so hoch werden sollen, aber das hätte das Vierfache gekostet, erzählte ein Arbeiter auf der Baustelle.

Kassel. Um 8.20 Uhr war das Spektakel am Donnerstagmorgen vorbei. Seit dem sind die drei Betonteile, aus denen der Obelisk des US-Künstlers Olu Oguibe besteht, zusammengesteckt.

Über 16 Meter ragt das documenta-Kunstwerk jetzt über dem Königsplatz. Wenn am kommenden Montag das Gerüst rund um den Obelisken abgebaut wird, kann das Bauwerk richtig zur Geltung kommen.

Architekt Markus Hanisch (Architektenbüro Punkt4), der für die Umsetzung der Pläne des Künstlers vor Ort von der documenta beauftragt worden ist, beobachtete am Morgen die Kranarbeiten. Nachdem die Arbeiter der Firma Richter fertig waren, rückten die beiden Dachdecker Daniel und Patrick Schenn (das sind Onkel und Neffe) an. Die beiden hatten vier Dreiecke aus Edelstahl dabei, mit denen die Spitze verkleidet worden ist. Es sei schon etwas Besonderes, für die documenta zu arbeiten, sagt Daniel Schenn. Er als Handwerker sei an „mehreren Teilen“ der Kunstausstellung beteiligt. So schwer, wie die Edelstahlplatten aussehen, sind sie dann doch gar nicht. Der d 14-Obelisk sei insgesamt wesentlich leichter als die Vorbilder aus Ägypten, klärt der Architekt auf. Die wurden einst massiv aus Naturstein geschlagen. Der Obelisk auf dem Königsplatz ist hingegen hohl. „Er ist so gebaut, dass er auch wieder relativ schnell zurückgebaut werden kann“, sagt Hanisch.

Und was wäre, wenn die Kasseler Gefallen an dem documenta-Kunstwerk auf dem Königsplatz finden würden und es behalten wollten? Das wäre auch kein Problem, sagt Hanisch. „Der Obelisk hält bestimmt 500 Jahre.“

Sie haben die Spitze mit Edelstahlblechen verkleidet: Die beiden Dachdecker Patrick Schenn (links) und Daniel Schenn.

Aber um solche zeitlichen Dimensionen geht es derzeit nicht. Wenn am Montag das Gerüst verschwunden ist, wird der Obelisk erst einmal mit dem Zitat „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ aus dem Matthäus-Evangelium beschriftet. Fremde Menschen aus aller Welt zu bewirten, damit hat Ralf Kofer, Inhaber der Bäckerei Kamps am Königsplatz, keine Probleme. Kofer und seine Mitarbeiter können den ganzen Tag auf den Obelisken schauen, wenn sie Zeit dazu finden.

Durch die Kunst auf dem Königsplatz sei man quasi mitten auf der documenta, freut sich Kofer. Während der Ausstellung hat er auch sonntags und an Feiertagen geöffnet. „Wir haben 100 Tage offen.“

Schon jetzt hat seine Mitarbeiterin Iris Waldeck so viel mit dem Verkauf von Backwaren zu tun, dass sie am Donnerstagmorgen auch nichts vom Aufbau des Obelisken mitbekommen hat. „Der zieht aber die Kunden an. Das ist gut.“

Noch besser hätte es der Frau aber gefallen, wenn der „Parthenon der Bücher“ statt auf dem Friedrichsplatz auf dem Königsplatz aufgebaut worden wäre. „Der Tempel ist wirklich schön“, sagt Iris Waldeck.

Hintergrund: Zitat von Jesus

Das Zitat aus dem Matthäus-Evangelium „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ soll in Deutsch, Türkisch, Englisch und Arabisch auf dem bis zu 1,80 Meter breiten Bauwerk stehen, verriet der aus Nigeria stammende US-Künstler Olu Oguibe. Der Künstler ist Sohn eines Predigers, aber nach eigenem Bekunden nicht religiös. Er sagte, dass Jesu Aufforderung, Fremde aufzunehmen, evangelikale Christen in den USA, die die Grenzen für Flüchtlinge schließen, mehr provozieren müsste, als etwa ein Zitat des Philosophen Immanuel Kant.

Der Obelisk im Vergleich: Wie hoch ist was?

So viel steht jetzt schon fest: Der Obelisk auf dem Königsplatz wird ziemlich überragend – mit einer Höhe von exakt 16,20 Metern. Wie aber ist diese Zahl einzuordnen? Ein Blick auf die Höhe anderer Kunst- und Bauwerke in Kassel.

Kunstwerke:

  • Der Himmelsstürmer von Jonathan Borofsky vor dem Kulturbahnhof: 25 Meter.
  • Eine Beuys-Eiche nach Schätzung des Kasseler Gartenamtes: 15 Meter.
  • Der Parthenon der Bücher, der auf dem Friedrichsplatz entsteht: 14 Meter.
  • Die Spitzhacke von Claes Oldenburg am Ufer der Fulda: 12 Meter.
  • Der Penone-Baum von Guiseppe Penone in der Karlsaue: 8,30 Meter.

Bekannte Bauwerke:

  • Der Kirchturm der Lutherkirche: 76 Meter.
  • Der Herkules mit Fundament: 70,5 Meter.
  • Die Türme der Martinskirche in der der Innenstadt: 69 Meter.
  • Brandkasse-Hochhaus an der Kölnischen Straße: 50 Meter.
  • Die Arbeitsagentur: 47 Meter.
  • Das Augustinum in Bad Wilhelmshöhe: 44,4 Meter.
  • Das Kasseler Rathaus: 44,4 Meter.
  • Die Herkules-Figur ohne Fundament: 8,25 Meter.

documenta 14: Obelisk auf Königsplatz wird aufgebaut

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