„Ein starkes Symbol der documenta“

Kulturdezernentin wirbt für Verbleib des documenta-Obelisken in Kassel

+
Objekt in der Diskussion: Der Obelisk auf dem Kasseler Königsplatz.

Kassel. Ob der documenta-Obelisk auf dem Königsplatz bleibt, beschäftigt derzeit viele Menschen in Kassel. Über die Spendenaktion sprachen wir mit Kulturdezernentin Susanne Völker.

In einem Interview mit unserer Zeitung tritt sie dafür ein, dass dieses documenta-Kunstwerk in Kassel bleibt. Zugleich verteidigte sie das bisherige Vorgehen.

Gemeinsam mit Künstler Olu Oguibe initiierte die Stadt mit ihr als Kulturdezernentin an der Spitze eine Spendenaktion. Sollten bis Ende April die von Oguibe geforderten 600.000 Euro als Kaufpreis zusammenkommen, bliebe der Obelisk an Ort und Stelle. Bei einer geringeren Summe wollen sich die Beteiligten noch einmal zusammensetzen.

In diesem Fall will Völker selbst eine geringe Spendenbereitschaft nicht als ein Votum der Bevölkerung gegen den Obelisken verstanden wissen – selbst wenn die Summe am Ende erheblich von Oguibes Forderung abweichen sollte. Möglich wäre dann immer noch der Verbleib des Obelisken, wenn Oguibe zustimmt.

Nach etwas mehr als drei Wochen sind 85.000 Euro als Spenden eingegangen. Darin enthalten ist auch ein Betrag von 50.000 Euro, der von einer Stiftung kommt. Es fehlen also noch 515.000 Euro.

Im Gespräch mit unserer Zeitung ging Völker auch auf den Standort des documenta-Kunstwerks ein. Den Obelisken sieht sie nach derzeitigem Stand an den Königsplatz gekoppelt, weil dies dem Wunsch des Künstlers entspreche. Solange er diesen nicht ändere, wäre der Standort auch nicht verhandelbar.

***********************

Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden: Kassel documenta-Stadt.  IBAN: DE16 5205 0353 0000 0110 99. BIC: HELADEF1KAS

***********************

Insgesamt gewinnt Völker der aktuellen Diskussion durchaus Positives ab. Sie sieht die Debatte im Zusammenhang mit der documenta 14 im vergangenen Jahr, über die ja auch sehr kontrovers diskutiert worden sei.

Der Künstler Olu Oguibe würde für sein documenta-Kunstwerk gern 600 000 Euro bekommen, was auch auf viel Kritik in der Stadt stößt. Über die gemeinsame Spendenaktion der Stadt und des Künstlers sprachen wir mit Kulturdezernentin Susanne Völker.

Frau Völker, bleibt es bei dem bisher kommunizierten Fahrplan? Die Spendenaktion läuft bis Ende April, dann fällt die Entscheidung, ob der Obelisk bleibt oder verschwindet.

Susanne Völker:Ja, es bleibt bei dem Verfahren, das mit Olu Oguibe abgesprochen wurde. Er legt ja großen Wert auf den Beteiligungsprozess. Dass es eine Diskussion wie jetzt im Fall des Obelisken gibt, ist deshalb auch das Beste, was Kunst passieren kann.

Der Künstler hat eine Zielgröße von 600.000 Euro genannt. Diese Summe scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Oder?

Völker: Aktuell haben wir einen Spendenstand von 85 000 Euro. 35 000 Euro sind von Einzelspendern eingegangen, und 50 000 Euro sind von einer Stiftung fest zugesagt.

Stehen Sie mit dem Künstler aktuell in Kontakt?

Völker:Ja, wir stehen im Austausch. Olu Oguibe verfolgt den Prozess aufmerksam.

War es klug, einen Zielpreis für den Obelisken zu Beginn der Spendenaktion zu nennen?

Völker: Dem Künstler war es ein Anliegen, einen Marktpreis zu nennen, den er für den Obelisken für angemessen hält. Gleichzeitig hat er sich zu einem Verfahren mit offenem Ausgang bekannt.

Hat diese Summe aber nicht zur Spaltung in der Stadtgesellschaft beigetragen?

Völker:Die Nennung der 600 000 Euro scheint etwas ausgelöst zu haben. Es sind aber Debatten auf vielen anderen Ebenen entstanden. Und ein Ergebnis daraus lautet: Es gibt keine Formel, aus der sich der Preis für Kunst berechnet. Ich denke auch nicht, dass der Obelisk spaltet. Es gibt eine offene Debatte, aber keine Spaltung. Es ist ein „Sich reiben“ an dem Kunstwerk. Wenn Kunst so etwas auslöst, ist das sehr gut.

Wie ist denn Ihre persönliche Haltung zum Obelisken?

Völker: Meine Haltung ist eine sehr positive. Ich bin der Meinung, dass der Obelisk ein starkes Symbol für die documenta 14 ist. Schließlich war auch die d 14 sehr politisch und kontrovers. Nach einer documenta fragt sich ja jeder, was davon bleibt. Die Themen Flüchtlingskrise, Hilfsbereitschaft und Humanismus finden sich in diesem Kunstwerk wieder. Deshalb bin ich auch dafür, dass der Obelisk in Kassel bleibt.

Bei dem aktuellen Spendenstand ist es aber nicht wahrscheinlich, dass die 600 000 Euro zusammenkommen. Würde es Sie schmerzen, wenn der Obelisk wieder verschwindet?

Völker:Das Prozedere sieht ja vor, dass der Ausgang offen ist. Der Künstler könnte uns den Obelisken auch für eine geringere Summe überlassen. Persönlich würde ich es sehr bedauern, wenn Olu Oguibe die von den Menschen gespendete Summe nicht akzeptieren würde.

Könnten Sie sich auch vorstellen, dass sich der Künstler zum Beispiel mit 100 000 Euro zufriedengibt?

Völker:Da ist alles offen. Wir sind so verblieben, dass wir nach Abschluss der Spendenaktion das Gespräch suchen.

Dann würde aber womöglich nicht die Mehrheit der Bevölkerung hinter dem Obelisken stehen.

Völker: Allein an der Höhe der Spendensumme lässt sich aber nicht beantworten, ob es eine Mehrheit an Befürwortern oder Gegnern gibt.

Sollte der Künstler die gespendete Summe nicht akzeptieren und der Obelisk aus Kassel verschwinden: Befürchten Sie, dass es negative Resonanz von außen geben wird?

Völker:Man darf nicht vergessen, dass der Künstler für dieses Kunstwerk mit dem Arnold-Bode-Preis ausgezeichnet worden ist. Der Obelisk wird international wahrgenommen. Ich würde es sehr bedauern, wenn er nicht in Kassel bliebe.

Also rühren Sie jetzt weiter die Werbetrommel?

Völker: Ich habe den Prozess mitangestoßen. Auch Spenden von zehn Euro dokumentieren das Interesse am Erhalt des Obelisken. Auch dafür werbe ich. Zudem gibt es noch Kontakte und Gespräche mit Großspendern.

Die Kasseler FDP hat angeregt, dass die Bürger entscheiden sollen, ob der Obelisk auf dem Königsplatz bleibt oder ein alternativer Standort gefunden wird. Vorausgesetzt, das erforderliche Geld kommt zusammen. Was halten Sie von der Standort-Debatte?

Völker: Von Seiten Olu Oguibes gibt es ein klares Bekenntnis zum Königsplatz. Er möchte, dass der Obelisk mitten im Leben der Menschen verortet ist. Ich finde es wichtig, dass diese Intention des Künstlers nicht unterwandert wird.

Also wird es den Obelisken nur auf dem Königsplatz geben?

Völker:Möglicherweise würde der Künstler sagen, dass er sich nicht vorstellen kann, dass der Obelisk woanders steht. Aber das ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen.

Archivvideo von der documenta 14:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.