Mehr denn je wird sich Kunst auf den Ausstellungsort beziehen

documenta 13 bespielt 50er-Jahre-Häuser

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Pracht der 50er Jahre: Das geschwungene Treppenhaus im Hotel Hessenland.

Kassel. Kassel kann ein Beispiel sein für die Welt. Das will die documenta 13 im kommenden Jahr zeigen. Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev hat nun angekündigt, dass sie die Weltkunstausstellung unter das Leitmotiv „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ stellen wird.

Menschen stehen überall vor der Herausforderung, Neuanfänge bewältigen zu müssen. Wie Kassel das nach der Bombardierung angegangen ist, kann für diese internationale Betrachtung (Christov-Bakargievs Stichworte: Afghanistan, Tunesien, Ägypten, Japan) fruchtbringend sein. Zudem liegen die Anfänge der documenta (1955) in den Ruinen der zerbombten Stadt.

? Wo wird die documenta 13 überall stattfinden?

Weitläufig: Rund um das Zollamt am Hauptbahnhof gibt es mehrere leer stehende Gebäude.

! Kasseler 50er-Jahre-Orte wie Hotel Hessenland, Saal im Hugenottenhaus, Kaskade- und Gloria-Kino interessieren Carolyn Christov-Bakargiev als „Orte sozialer Verdichtung“, wie sie der Frankfurter Rundschau (FR) sagte. documenta-Sprecherin Kathrin Luz erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, es gehe etwa um „Orte der Freude“, die ins öffentliche Bewusstsein zurückgeholt werden sollten. Dazu gehören beispielsweise historische Ballsäle. documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld betont auf Anfrage aber, dass die Liste lediglich als Ideensammlung zu verstehen ist und noch keine Verträge abgeschlossen seien.

? Was steht bereits offiziell fest?

Muskel-Tempel: Die Gerüchteküche sagt, ein leeres Fitnessstudio nahe dem Hauptbahnhof wird von der documenta bespielt: In Frage kommt eine Wing-Tsun-Schule am Grünen Weg.

! Drei große documenta-Standorte sind der Bereich Friedrichsplatz / documentahalle / Fridericianum, der Kulturbahnhof und die Karlsaue, so Leifeld. Luz betont, dass die Zahl der Standorte so begrenzt wird, dass sie fußläufig erreichbar bleiben. Ihre Prognose: 20 bis 25 Orte. Im Gloria-Kino wird das Filmprogramm gezeigt. Der Bereich Kulturbahnhof wird vom früheren Standort Südflügel ausgeweitet, es ist denkbar, dass Gebäude auf der Nordseite einbezogen werden. Bakargiev in der FR: „Insgesamt haben wir um den Bahnhof zehnmal so viel Platz wie bei früheren documentas.“

? Wann werden die Spielorte bekannt gegeben?

! Offiziell erst in der documenta-Pressekonferenz am 6. Juni 2012, Leifeld verspricht aber: „Die örtliche Bevölkerung wird früher erfahren, wo etwas stattfindet.“ Christov-Bakargiev habe über 50 Orte in der Stadt geprüft.

? Welche Relevanz hat das Leitmotiv „Zusammenbruch und Wiederaufbau“?

! Christov-Bakargiev nutze es wie eine Matrix, mit der sie Kassel betrachte, so Luz. Es wäre aber verkürzt, die Ausstellung darauf zu reduzieren, „es geht nicht darum, die 50er und 60er zu rehabilitieren“.

? Wie wird das Leitmotiv in der Ausstellung umgesetzt?

! Luz: „Mehr als je zuvor zeigt die documenta Arbeiten, die direkt auf ihre Entstehungsorte bezogen sind. Und es gibt viele aktivierte Arbeiten, also solche, an denen Menschen beteiligt sind.“

? Was haben Künstler an den 50er-Jahre-Orten vor?

Plüschig: Historisches Kaskade-Kino am Königsplatz

! Der Chicagoer Theaster Gates (Jahrgang 1973) nennt sein Projekt „50 Balladen für das Hugenottenhaus“. Es soll ein soziales Experiment mit Kunst verbinden. Arbeitslose demontieren das Innere eines Chicagoer Hauses. Das Material und die hierbei weitergebildeten Hilfskräfte werden dann eingesetzt, um das Kasseler Hugenottenhaus zu restaurieren und dort eine Ausstellung zu entwickeln. Das meldet die Chicagoer Graham Foundation.

Von Bettina Fraschke

Quelle: mydocumenta

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