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Pandemie beutelt documenta: Veranstalter verschärfen Corona-Regeln nicht, Experten empfehlen Maske

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Von: Anna-Laura Weyh

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Auf der documenta fifteen gilt weiterhin keine Maskenpflicht. Die Gesundheitsämter raten aber dringend dazu.
Auf der documenta fifteen gilt weiterhin keine Maskenpflicht. Die Gesundheitsämter raten aber dringend dazu. © Boris Roessler/dpa/dpa-Bildfunk

Die Corona-Zahlen steigen. Auch in Kassel ist das Infektionsrisiko hoch – durch die documenta und die zahlreichen Menschen, die in der Stadt unterwegs sind.

Kassel – Mitarbeiter der Weltkunstausstellung berichten, dass ganze Künstlerkollektive durch Corona-Infektionen ausfallen und vor Ort fehlen. Die documenta bestätigt dies jedoch nur teilweise. Es seien nur einzelne Mitarbeiter und Künstler infiziert, teilt eine Sprecherin mit. Allerdings sind Veranstaltungen in den vergangenen Tagen reihenweise ausgefallen, was aus Mitarbeiterkreisen ebenfalls mit Krankmeldungen begründet wurde.

Peter Rockenbach, ein documenta-Besucher aus Köln, der sich bei unserer Zeitung meldete, ist nach seinem Aufenthalt in Kassel corona-positiv. Er kritisiert das Hygienekonzept der Kunstschau. „In manchen Räumen, wie im WH22, war es sehr voll und unangenehm“, sagt Rockenbach. Es habe keine Möglichkeiten zum Lüften gegeben. „Ich bin schnell wieder raus, aber scheinbar habe ich mich doch irgendwo angesteckt“, sagt er.

Schon am letzten Tag seines mehrtägigen Besuchs in Nordhessen habe er die Symptome bemerkt. Der Kölner, der schon seit vielen Jahren zur documenta nach Kassel kommt, hätte sich Zutrittsbeschränkungen in den Ausstellungsräumen gewünscht. „Ich frage mich, warum das die Gesundheitsbehörden zulassen“, sagt Rockenbach.

Das Hessische Sozialministerium habe zwar die Möglichkeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich die Corona-Lage zuspitze. Allerdings sei dies durch das vom Bundestag im März angepasste Infektionsschutzgesetz nur sehr beschränkt möglich, teilt ein Sprecher mit. Die documenta selbst kann jedoch vom Hausrecht Gebrauch machen und die geltenden Corona-Regeln anpassen.

Eine Sprecherin der documenta teilt auf Anfrage mit: „Die documenta fifteen erfolgt im Rahmen der Corona-Schutzverordnung des Landes Hessen.“ Des Weiteren empfehlen die Veranstalter den Besuchern zwar das Tragen einer Maske sowie das Einhalten der Abstände. Laut Peter Rockenbach sei es dafür jedoch zu voll in einigen Ausstellungsräumen. Auf die Frage, ob die documenta die Corona-Regeln aufgrund der aktuellen Lage verschärfen möchte, erhielt die Redaktion keine Antwort.

Zu den Auswirkungen der documenta auf die Corona-Zahlen in Kassel kann das Gesundheitsamt Region Kassel keine Aussagen machen, so ein Sprecher. Um sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, rät das Gesundheitsamt aber dringend dazu, die AHA-Regel zu beachten. Die documenta-Besucher sollten die Hände regelmäßig waschen und desinfizieren, die Abstandsregeln, wo möglich, beachten und eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Vor allem in Innenräumen, heißt es vonseiten des Gesundheitsamts. Wichtig sei auch, dass sich die Bürger weiter testen und bei einem positiven Schnelltest isolieren.

Am 1. Juli wird es eine Sondersitzung der Gesundheitsminister der Länder geben. Gemeinsames Ziel sei es, das Aufflammen der Pandemie im Herbst einzudämmen.

Kulturzelt: Luft wird regelmäßig ausgetauscht

Die Sorge vor möglichen Corona-Infektionen ist auch im Kasseler Kulturzelt ein Thema. „Wir empfehlen den Besuchern das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, aber an sich kann das jeder nach eigenem Ermessen entscheiden“, sagt Veranstalter Jürgen Truß. „Wir nehmen Corona aber weiter sehr ernst“, betont er.

Aus diesem Grund habe das Organisationsteam auch für die Sicherheit der Besucher ein Belüftungskonzept erstellt. „Durch eine Lüftungsanlage, die zu 100 Prozent mit Frischluft arbeitet, kann alle sieben Minuten die komplette Luft des Kulturzelts ausgetauscht werden“, sagt er. Die verbrauchte Luft werde dabei über unten nach oben nach draußen befördert. Das verringere das Infektionsrisiko, so der Veranstalter.

Truß freue sich, wieder die besondere Atmosphäre des Kulturzelts erleben zu können. „Es ist toll, dass das in diesem Jahr wieder möglich ist“, sagt er. Besonders ältere Leute seien aber weiterhin eher zögerlich, Tickets zu kaufen und Konzerte zu besuchen.

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