Über 50.000 Bücher kommen an documenta-Kunstwerk

Parthenon der Bücher: VW-Azubis packen stolz mit an

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Ungewöhnlicher Weg zur Arbeit: Die Auszubildenden von VW durschreiten den 70 Meter langen „Parthenon der Bücher“ und bringen in den Wannen die nächsten Werke mit, die sie an das documenta-Kunstwerk auf dem Friedrichsplatz hängen. Über 50 000 Exemplare werden benötigt.   

Kassel/Baunatal. „Ich finde es interessant, dass wir bei so etwas mitmachen dürfen“, sagt Jasmin Platte. Die 21-jährige Auszubildende aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal hilft derzeit beim Aufbau des documenta-Kunstwerks „Parthenon der Bücher“ der argentinischen Künstlerin Marta Minujín.

Rund 40.000 Bücher hängen bereits an der Stahlkonstruktion auf dem Friedrichsplatz. Zehn Auszubildende von Volkswagen unterstützen über zwei Wochen das documenta-Team beim Aufhängen der Literatur, die irgendwo auf der Welt verboten ist oder war.

In einem sind sich die angehenden Mechatroniker der Volkswagen-Akademie einig: „Wir sind schon ein wenig stolz, dabei zu sein“, sagen sie. Von der der Dimension des Bücher-Tempels sind die jungen Frauen und Männer jedenfalls beeindruckt. „Das ist schon gewaltig“, sagt Alexander Denn während er die 70 Meter lange Anlage am Fridericianum durchschreitet. „Das hätte ich vorher gar nicht erwartet.“

Mehr Bücher gesucht

Immer mehr Bücher verkleiden das dem Parthenon-Tempel in Athen nachempfundene Kunstwerk. Immer noch benötige man Exemplare, betont documenta-Sprecherin Maxie Fischer. Neben Spenden von Verlagen, Antiquariaten und Stiftungen sei man weiterhin auf Privatleute angewiesen, die Bücher zu den Abgabestellen bringen. „Wir brauchen noch etwa 10.000.“

Viel Arbeit vor dem Fridericianum: Alexander Denn hängt gerade Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ auf.

Fischer berichtet von den Kleinigkeiten rund um die gewaltige Installation. „In manchen Büchern findet man kleine Zettel. Da wollen die jetzigen Besitzer mit den künftigen Besitzern in Kontakt kommen“, sagt die Sprecherin. Nach dem Ende der documenta sollen alle Bücher jedenfalls an Interessierte abgegeben werden. Kostenlos.

VW-Auszubildende Maxime Bax ist überrascht, welche Werke auf der Liste der verbotenen Bücher stehen. „Harry Potter ist dabei und Alice im Wunderland“, sagt die 20-Jährige. „Das ist schon krass.“

Noch während des documenta-Starts sollen die restlichen Bücher aufgehängt werden. „Wir wollen das in die Ausstellung mit hinein nehmen“, sagt Fischer und hofft auf weitere Privatspenden. „Die Besucher haben die Möglichkeit, neben dem Regenschirm auch ein Buch mitzubringen.“

Die Sprecherin macht neugierig auf die Weltkunstschau. Der Parthenon werde begehbar sein, erläutert sie. Es werde ein Treffpunkt sein, ein Ort, um einfach mal einen Kaffee zu trinken – auf vier Seiten offen für den Weg in die Ausstellung.

Die documenta läuft vom 8. April bis 16. Juli in Athen und vom 10. Juni bis 17. September in Kassel. Alles dazu gibt es auch bei Kassel Live

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