d14-Kunst im Onlineshop 

Was mit den Kunstwerken passiert, wenn die documenta 14 vorbei ist

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Yugoexport bleibt: Die Schuhe und Kleider von Irena Haiduk soll es weiter zu kaufen geben. 

Kassel. Teile der documenta verschwinden bereits, wie der Parthenon auf dem Friedrichsplatz. Aber was passiert mit den anderen Werken? Wir haben die Arbeiten zusammengestellt, deren Ziel nach der documenta schon feststeht.

Die Masken von Beau Dick

Was unterscheidet die documenta von den ethnologischen Museen, die sie kritisiert? Die Kuratoren der d14 legen Wert darauf, dass die Kultobjekte indigener Völker nicht einfach vom Kunstsystem geschluckt und zu Verkaufsobjekten werden. Die Masken von Beau Dick, kürzlich verstorbener Häuptling des nordkanadischen Kwakw’ala-Volkes, sind Teil von Tanzritualen und werden dabei teilweise auch verbrannt. Die Exponate in der documenta-Halle, die Tierköpfe und Gestaltenwandler darstellen, werden deshalb zu den Kwakw’ala zurückgeschickt. Wie Alan Hunt aus Vancouver Island bei seiner Masken-Performance zu Beginn der d14 erzählte, müssen sie vier Jahre ruhen, dann können sie wieder für Rituale eingesetzt werden.

Ruhen für vier Jahre: Beau Dicks Masken.

Das Marmorzelt

Die Skulptur von Rebecca Belmore, die das tragbare Zuhause Zelt in ein tonnenschweres Monument verwandelte, hat schon eine (offenbar sehr teure) Reise hinter sich. Vom ersten Ausstellungsort in Athen wurde es per Laster nach Kassel transportiert.

Der Wunsch der Künstlerin ist es, dass das Werk in ihre Heimat Kanada zurückgebracht wird. Laut Belmore, die zum indigenen Volk der Anishinaabe gehört, soll es dort an die nomadische Tradition der Ureinwohner erinnern. Unter dem Zelt wurden in Kassel bereits Farbpigmente beerdigt, die der Australier Dale Harding für seine Wandbilder im Ottoneum benutzt hat.

Vom Weinberg nach Kanada: Das beliebte Zelt von Rebecca Belmore reist zurüch ins Heimatland der Künstlerin.

Schuhe von irena Haiduk

Die Marke „Yugoexport“, die die Künstlerin Irena Haiduk 2015 gegründet hat, soll auch nach der documenta weiter existieren. Die zehenfreien Schnürschuhe, die auf einer jugoslawischen Fabrikarbeiterinnen-Uniform basieren und je nach Einkommen der Käuferin unterschiedlich viel kosten, sollen künftig übers Internet erhältlich sein. Dort gibt es dann auch Taschen, Anstecknadeln und die schlichten Kleider, die Haiduks Bücher-balancierende „Sirenen“ bei ihren Performances tragen. Der Onlineshop wird gerade eingerichtet.

Pflanzpyramide

Noch ein Kunstwerk, das verteilt wird: Am Samstag, 16. September, werden von 11 bis 16 Uhr im Nordstadtpark die Pflanzen aus Agnes Denes’ lebender Pyramide ausgegraben. Wer einem Stück documenta eine neue Heimat im Garten geben möchte, kann vorbeikommen.

Pflanzen werden verteilt: Die Pyramide im Nordstadtpark

Ibrahim Mahamas Säcke

Der ghanaische Künstler Ibrahim Mahama beschäftigt sich in seinen Installationen aus Jutesäcken mit Warenzirkulation und dem weltweiten Kakao-Handel. Folgerichtig werden auch seine Materialien wiederverwertet und mit all ihren Gebrauchsspuren weitergeschickt. Die Säcke, die gerade noch die Kasseler Torwache umhüllen, wurden in Athen auf dem Syntagma-Platz zusammengenäht und werden nach der d14 für eine Performance des Künstlers in Grenoble benutzt. Der Kunstzirkus zieht immer weiter.

Werden für eine Performance in Grenoble genutzt: Die Jutesäcke, die die Torwache verhüllen.

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