Einige Kunstwerke wurden dennoch zum Meilenstein

Pech und Pannen: Was auf der documenta schon so alles schief lief

Wurde zum Symbol der documenta12: Bei einem Gewitter war der Template des chinesischen Künstlers Ai Weiwei auf der Karlswiese zusammengebrochen. Foto:  Herzog

Kassel. Trotz Pech und Pannen kamen so manche documenta-Kunstwerke noch ganz groß raus. Ein Rückblick auf zusammenstürzende Türen, schwebende Würste und eigenwillige Tauben.

„Das Gelingen ist manchmal das Endresultat einer ganzen Reihe missglückter Versuche.“ Diese Weisheit des niederländischen Malers Vincent van Gogh (1853 bis 1890) lässt sich auch auf so manches documenta-Kunstwerk übertragen.

Viele Kunstwerke, die im Nachhinein zu Meilensteinen der documenta geworden sind – ob nun Christos Wurst über der Karlswiese (1968) oder das blühende Mohnfeld auf dem Friedrichsplatz (2012) – waren mit Pech und Pannen verbunden.

Von daher sollte sich der Künstler Antonio Vega Macotela, desen Kunstwerk „Mühle des Blutes“ schon am Eröffnungswochenende nicht mehr funktionierte, nicht allzu große Gedanken machen. Die Mühle, die nach der Reparatur am Dienstag wieder lief, hat alle Chancen, eines der beliebtesten Kunstwerke der d 14 zu werden.

documenta-Pannen mit gutem Ausgang:

Verpackte Luft

Gut Ding will Weile haben: Es waren vier Versuche erforderlich, bis 1968 „die verpackte Luft“ von Christo auf der Karlswiese endlich schwebte. Archivfoto:  nh

Bevor das Kunstwerk „5600 cubicmeter package“ des bulgarischen Künstlers Christo 1968 zum Wahrzeichen der documenta 4 wurde, brauchte es mehrere Anläufe. Das Künstlerpaar Christo und Jeanne-Claude konnte den schlanken Plastikschlauch erst nach mehreren Pannen auf der Karlswiese zum Schweben bringen. Im Volksmund wurde das 85 Meter in den Himmel ragende documenta-Kunstwerk „verpackte Luft“, das Christos Weltruhm mitbegründen sollte, als Wurst bezeichnet.

Reisfeld

Der Thailänder Sakarin Krue-On wollte den Hang unterhalb des Schlosses Wilhelmshöhe bei der d 12 in Reisterrassen verwandeln. 7000 Quadratmeter Parkfläche wurden dafür aufgerissen, um 30.000 Reispflanzen zu setzen. Obwohl die Pflanzen während der 100 Tage erst gar nicht und dann auch nicht wirklich beeindruckend wachsen wollten, entwickelten sich die Terrassen zu einem Publikumsmagneten.

Template

Im Jahr 2007 wurde die Skulptur „Template“ von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei, die in einem Gewitter zusammenbrach, zum Wahrzeichen der documenta 12. Sie bestand aus Türen chinesischer Abbruchhäuser.

Mohn

Warten auf die Blütenpracht: Es dauerte, bis der Mohn bei der documenta 12 endlich auf dem Friedrichsplatz blühte. Archivfoto:  Fischer

Gegen Ende der documenta 12 wurde schließlich alles gut: Das Mohnfeld der Kroatin Sanja Ivekovic auf dem Friedrichsplatz blühte endlich in glühenden Farben. Darauf hatte man lange warten müssen.

Die Trockenperiode im April 2007 hatte die blühenden Kunst-Pläne der Künstlerin einstweilen behindert, von blühenden Blumen auf dem Friedrichsplatz war lange nichts zu sehen. Dazu hatten wohl auch einige Tauben beigetragen, die den Mohnsamen gefuttert hatten. An einen Taubenschutz war wohl nicht gedacht worden.

Mühle des Blutes funktioniert wieder

Die Mühle des Blutes vor der Orangerie ist wieder in Betrieb. Gestern Vormittag wurde sie von Reparateuren instand gesetzt. „Sie ist am Wochenende kaputt gegangen, weil Besucher zu schnell an ihr gedreht haben. Dadurch sind die Rollen des Münzapparates überhitzt“, erklärt einer der Reparateure.

Dreht der Besucher an der Mühle, wird eine Aluminium-Münze geprägt. Diese fällt dann durch ein durchsichtiges Plastikrohr nach unten. „Die Münzen werden aufbewahrt und kommen in einen Tresor“, wie der Reparateur Schülern der Jean-Paul-Schule berichtet. Sie schauten sich gestern das Kunstwerk an und durften als erste die Mühlräder wieder in Bewegung setzen – ganz langsam und maximal zwei Leute gleichzeitig.

Die Ausstellungsaufsicht vor Ort wird zukünftig darauf achten, dass Besucher die Mühlräder nicht zu schnell und in die richtige Richtung drehen. Das Kunstwerk des Mexikaners Antonio Vega Macotela ist der Nachbau einer „Blutmühle“, mit der Minenarbeiter in Bolivien Silber für die Produktion von Münzen vorbereitet haben.

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