Pressestimme zur documenta (13): Kritik in der „SZ“

Kassel. Jede documenta sage etwas über ihre Zeit aus, verlange den Besuchern etwas ab, sei ein „Affront gegen die Selbstsicherheit“, hat Kia Vahland in der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben.

Sie setzt sich mit dem „ökofeministischen Ansinnen“ der künstlerischen Leiterin der d13, Carolyn Christov-Bakargiev, auseinander, „auf die Frauenemanzipation die Befreiung der Tiere folgen zu lassen“.

Vahland - die das inzwischen berühmte Erdbeeren-Interview mit „CCB“ geführt hat - sieht die Vorstellung, der Mensch als Künstler habe sich gegenüber der Schöpferin Natur zurückzunehmen, mit Skepsis. Dass Frauen sich „als Expertinnen des Andersseins und der Empathie in Tiere und Pflanzen hineinversetzen sollten“, tradiere ein „rührend reaktionäres Frauenbild: das der Kümmerfrau, die immer für alle zuständig ist, und seien es Straßenköter und Wildfrüchte“.

Tiere mache die documenta nicht zum Thema, „sie will ihnen gefallen“, „beim menschlichen Betrachter ein wohlig-gutes Gewissen erzeugen“.

Joseph Beuys werde von dieser documenta „nicht befragt, nicht historisch verstanden, sondern vereinnahmt und verehrt“. Die Verbeugungen vor dem Schamanen, „all die Mangoldpflanzer, Torfbarren-Staplerinnen und Radieschen-Verkäufer, muten eher nostalgisch als revolutionär an“. „Früher war in Kassel jeder Mensch ein Künstler“, schreibt Vahland in Anspielung auf Beuys. „Heute ist es jedes Tier und jede Tomate.“ In der Konsequenz bedeute das, die Kunst aus dem gesellschaftlichen Diskurs zu verabschieden. Wer die Kunst als austauschbar erkläre, „arbeitet auf lange Sicht an ihrer Abschaffung“. (vbs)

Quelle: mydocumenta

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.