Mit dem neu erschienenen „Logbuch“ ist die Trilogie der documenta-Kataloge nun komplett

Protokoll einer langen Reise: documenta-Kataloge nun komplett

documenta-Begleiter: Das Logbuch der d13.

Kassel. Zur documenta gehören manchmal auch Thermo-Leggings und Skihosen. Außerdem Handschuhe und Funktionsshirts, alles im Gesamtwert von 343,82 Dollar.

Auf dem Weg zur Kasseler Weltausstellung begegnen einer Kuratorin viele Herausforderungen: viele kreative und auch ein paar physikalische. Wie die Kälte auf der Exkursion zu einer Samenbank auf Spitzbergen. Für die musste sich Carolyn Christov-Bakargiev noch mit polartauglicher Winterkleidung eindecken lassen. Ab und an frieren auch Freigeister.

Von dieser und anderen Stationen in der Planungsphase der documenta 13 erzählt nun das „Logbuch“, das in diesen Tagen im Hatje-Cantz-Verlag erscheint. Zusammen mit dem „Buch der Bücher“ und dem „Begleitbuch“ komplettiert das gut 300-seitige Werk nun die Trilogie des aktuellen Ausstellungskataloges.

Zwischen den Buchdeckeln in leuchtendem Apfelgrün dokumentieren Carolyn Christov-Bakargiev und ihr Team die Entstehung der d13 mit Planungs-E-Mails und Ausschnitten verschiedener Interviews.

Außerdem werden die Fotos aller Kunstwerke nachgereicht, die in den früher veröffentlichten Katalogbänden noch fehlten. Im Logbuch sieht nun jeder, was auf der documenta zu sehen ist. Auch die Tür zur unerreichbaren Außenstelle in Kabul öffnet sich zumindest einen Spalt breit. Im Bildteil werden die Arbeiten aus dem Königspalast und der Gartenanlage Bagh-e-Babur gezeigt. Darunter sind weitere Skulpturen von Giuseppe Penone und Michael Rakowitz sowie Arbeiten afghanischer Studenten,

Das Logbuch – eigentlich das Protokoll einer Schifffahrt – gibt einen guten Eindruck von der langen Reise, die zu 100 Tagen Kunst führt. Neben dem teuren und kaum bezwingbaren „Buch der Bücher“ und dem arg theoretischen „Begleitbuch“ gibt das neue Logbuch noch am ehesten eine Übersicht über Konzept und Gestalt der documenta. Vorausgesetzt man versteht sie, denn auch hier zeigt sich, dass die Macher der Publikation ausschließlich auf ein weltgewandt-vielsprachiges Publikum abzielen. Die komplette E-Mail-Korrespondenz im ersten Teil ist nur auf Englisch, Französisch und Italienisch abgedruckt.

Gestalterisch ist das documenta-Begleitwerk eher eine Enttäuschung. Das teure Munken-Papier, eine Schöpfart, die besonders natürliche matte Optik verspricht, schluckt Farben und Konturen der Fotos, und viele der Bilder sind so klein, dass man die Kunst suchen muss. Außerdem führt die offensichtliche Vermeidung von Prioritäten dazu, dass andere Bilder fast gleich groß nebeneinanderstehen und sich so gegenseitig die Wirkung nehmen.

Das Logbuch kann Lust machen auf einen Besuch und auf alles, was die documenta ist. Ein „lebendiger visueller Rundgang“, wie der Verlag verspricht, ist es aber nicht.

documenta 13: Das Logbuch, Hatje Cantz, 320 Seiten, 30 Euro.

Von Saskia Trebing

Quelle: mydocumenta

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