Kunstprojekt wurde von Anlegestelle an der Fulda verwiesen

Puppen-Boot musste abdampfen: Künstler fühlen sich von documenta ausgegrenzt

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Anlegestelle mit Puppen hinter Stacheldraht: Die Installationen am Steg mussten abgebaut werden. Heute ist das Boot mit den Figuren letztmals auf der Fulda zu sehen, dann zieht das bundesweite Kunstprojekt weiter.

Kassel. Kaum ist die documenta 14 eröffnet, gibt es Ärger mit einem freien Kunstprojekt, das sich von den documenta-Machern ausgegrenzt und verhindert sieht. 

Doch die können gar nichts dafür, dass die Initiatoren des Flüchtlingsboot-Kunstwerks  ihren Liegeplatz an der Schlagd räumen mussten.

Was war geschehen? Nach Darstellung der Künstler um den dänischen Bildhauer Jens Galschiøt Folgendes: Am Samstag sei ihnen von der Polizei mitgeteilt worden, sie hätten eine Kunstinstallation zu entfernen, die sie auf dem zurzeit ungenutzten Schiffsanleger der Rehbein-Linie errichtet haben.

Hinter einem Stacheldrahtverhau sollte dort ein halbes Dutzend schwarz-bronzene Figuren – so wie jene auf dem Flussboot „Stint“, das in den vergangenen Tagen auf der Fulda pendelte – auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam machen. Weitere Figuren trieben rund um den Anleger wie ertrunken im Wasser.

Im Zusammenhang mit der Präsidenten-Visite zur documenta-Eröffnung am Samstag bekamen die Künstler einen Kontrollbesuch von der Wasserschutzpolizei an dem Anleger, der nicht weit vom Renthof entfernt liegt, wo die Staatsgäste speisten. Sicherheitshalber riefen die Beamten auch bei der Firma Rehbein an, der die Steganlage gehört – und dort fiel man aus allen Wolken.

„Uns hat nie jemand informiert, was da geplant ist oder gar um Erlaubnis gefragt“, sagte Anna-Elisabeth Rehbein gegenüber der HNA. Sie und ihr Mann hätten dem Eigner-Kollektiv der „Stint“ gestattet, das Boot während des vergangenen Winters dort festzumachen. Auch für den Wasserfestzug beim kommenden Zissel gebe es ein Arrangement, daher hätten die „Stint“-Betreiber einstweilen noch den Schlüssel für das Tor zum Steg gehabt.

Von einer Nutzung als begehbarer Kunst-Standort aber sei niemals die Rede gewesen, „und wir dulden das auch nicht“, sagte Anna-Elisabeth Rehbein: „Wir haben schließlich die volle Verantwortung für die Sicherheit, weil die Genehmigungen auf uns laufen.“

Ihr Mann Klaus-Dieter Rehbein habe den Initiatoren am Wochenende mitgeteilt, dass sie ihre Installationen binnen 24 Stunden zu entfernen hätten – was auch geschah. Dies hinderte die Stiftung „Outlaw“, die hinter dem Kunstprojekt steht, aber nicht, ihre ganz eigene Version des Geschehens zu verbreiten.

Die Flüchtlingspuppen hinter Stacheldraht seien „wohl zu viel“ für den „Kunstbann“ der d14-Verantwortlichen, die im Umkreis von einem Kilometer um die documenta keine anderen Kunstwerke duldeten, heißt es in einer Erklärung im Netz. Dabei habe „weder die documenta 14 noch die Stadt Kassel irgendwelche Hoheitsrechte auf der Fulda“.

Das fügt sich zwar gut ein in den herrschaftskritischen Jargon, den auch die d14-Kuratoren pflegen, unterschlägt aber, dass man bei der documenta laut Auskunft der Pressestelle überhaupt nichts von den Querelen mit den Steg-Eignern wusste. Weiter kommentieren wollte man „diese zivilrechtliche Angelegenheit“ dann auch nicht.

Rund um den Friedrichsplatz allerdings gilt es bei jeder documenta als ungeschriebenes Gesetz, dass dort im öffentlichen Raum keine mit der Weltkunstschau konkurrierenden künstlerischen Arbeiten gezeigt werden sollen.

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