Puzzlespiel: Wie die documenta-Kunstwerke ihren Platz fanden 

Im d13-Projektmanagement tätig: Jenny Dirksen. Foto: von Busse

Kassel. Beim Frühstück im Hotel Hessenland zeigte Carolyn Christov-Bakargiev, die Chefkuratorin der d13, eines Morgens auf eine Tür und fragte, was sich dahinter verberge.

Ihre Neugier sorgte für eine der Grundausrichtungen ihrer Ausstellung: sozusagen die Räume hinter den Räumen zu entdecken, vergessene Innenstadt-Orte neu zu beleben. Heute zeigt hinter dem Frühstücksraum, im ehemaligen Ballsaal des Hotels, Gerard Byrne seine Video-Installation.

Wichtige Entscheidungen hätten sehr früh festgestanden, erzählt Jenny Dirksen, Assistentin von Projektmanagerin Christine Litz (die inzwischen die Leitung des Neuen Museums Freiburg angetreten hat). Dass die Karlsaue großflächig mit Häusern bespielt und Museen wie Ottoneum und Orangerie einbezogen werden, dass Kulturbahnhof und Aue eine Art Klammer bilden, alle Standorte dazwischen fußläufig erreichbar sein sollten - all das sei zeitig festgelegt worden. Manche zusätzliche Anregung für städtische Standorte bekam das d13-Team, als die HNA über „CCBs“ Vorliebe für 50er-Jahre-Bauten berichtete.

Wie aber kamen die fast 200 Teilnehmer zu ihren Plätzen? So früh wie möglich seien alle Künstler für zwei oder drei Tage nach Kassel eingeladen worden, berichtet die 33-Jährige. Für alle ein Programmpunkt: der Besuch im ehemaligen KZ Breitenau sowie die Besichtigung der geplanten Standorte.

Auf dem "Klappaltar"

Im Büro des d13-Projektmanagements gab es einen „Klappaltar“ mit Grundrissen, auf denen wie beim Puzzlespiel Zettel mit Künstlernamen gemäß der jeweiligen Standort-Ideen und -wünsche hin- und hergeschoben wurden. Sehr früh sei der „Klassiker“, das Fridericianum, „durchkomponiert“ gewesen, für alle anderen Orte sei „sehr lange sehr viel möglich gewesen“.

Weil die meisten Künstler ihre Arbeiten eigens für Kassel entwickelten, taten sie das von Anfang an für spezifische Orte, die in der Aue in Abstimmung mit der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) gefunden wurden. Bei Details und spezifischen Anforderungen habe es viel Spielraum gegeben. Sieben kuratorische Assistenten, allesamt mit Gegenwartskunst vertraut, betreuten jeweils 20 bis 30 Künstler.

Mitunter sei die „Realitätsebene“, etwa der Brandschutz, den künstlerischen Ideen in die Quere gekommen, sagt Dirksen, manche Gebäude-Nutzung habe auch gar nicht geklappt. „CCB“ habe aber die große Gabe, unglaublich viele Vorstellungen mit viel Energie umzusetzen und beim Scheitern eines Vorhabens mit neuen Ideen weiterzumachen. Aus der Stadt habe es viel positive Unterstützung gegeben. Nur eines konnte sich Dirksen bei all den Planungen nicht ausmalen: die „unglaublich vielen Besucher“. „Man kann sich das vorher nicht vorstellen“, staunt sie.

Von Mark-Christian von Busse

Quelle: mydocumenta

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